LESERBRIEF: Der Wahrheit zur Genüge

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Wenn man sich an vergangene personalisierte Vorgänge erinnert, kommt zwangsläufig ein subjektives Moment hinzu. Das betrifft auch mein Verhältnis zu dem langjährigen und erfolgreichen WiWO-Geschäftsführer Frank Kerber. Zwei Formulierungen von Frau Homuth zu meinem Verhältnis zur WiWO muss ich korrigieren. Mein Verhältnis zur WiWO war niemals „angespannt“, sondern eher spannend. Ein Bürgermeister „Uwe Mahlich“ von Wildau ist mir unbekannt. Vor Frau Homuth war ich der Bürgermeister von Wildau. Für mein Verhältnis zur WiWO hatte ich einen sehr guten Gesellschaftervertreter der Stadt bei der WiWO (bis Ende 2018 Herr Anders). Außerdem hatten wir lange (bis zur letzten Kommunalwahl) einen sehr moderations-erfahrenen Vorsitzenden des Aufsichtsrates der WiWO, Dr. Peter Mittelstädt, der immer versuchte, Stadt und WiWO zusammen zu bringen. Ich bin stolz auf das, was WiWO und Stadt in den vergangenen 18 Jahren gemeinsam erreicht haben. In Bezug auf die Ausschreibungspflicht von kommunalen Tochtergesellschaften gab und gibt es in Deutschland unterschiedliche Rechtsauffassungen. Die WiWO vertrat ihre Auffassung mit guten Argumenten und war auch bereit, für ihre Position juristische Verantwortung zu übernehmen. Frau Homuth war schon damals Mitglied im Aufsichtsrat der WiWO! Im Aufsichtsrat waren alle großen Wildauer Parteien vertreten. Wir (Gesellschaftervertreter und ich) akzeptierten die Position der WiWO. Ich war froh, dass die WIWO sich für den Kita-Neubau engagierte, gerade aus finanziellen Gründen. Denn Geld war damals immer knapp. Anders als vor einigen Monaten, als Geld in Wildau scheinbar keine Rolle mehr spielte. Inzwischen hat aber die Corona-Krise gerade für die Kommunen völlig neue Bedingungen geschaffen, gerade auch in finanzieller Hinsicht. Ich finde, dass es immer besser ist, wenn man mit Menschen arbeiten kann, die kreativ, tatkräftig und klug agieren, mit denen man auf Augenhöhe wichtige Projekte für die Stadt und die Menschen besprechen und ausdiskutieren kann. Wenn Herr Kerber jetzt außerordentlich gekündigt wird, bin ich zwiegespalten. Für Wildau ist das sicher ein großer Verlust, aber Herr Kerber kann jetzt nachts wieder schlafen. Eine solche Führungskraft kann man an vielen Stellen gebrauchen, nicht nur in Wildau. Das für mich Schlimmste ist, dass die Kündigung eine Nachwirkung des missglückten Grundstücksgeschäftes des österreichischen Kaufinteressenten mit der WiWO ist. Ich habe schon vor Monaten in einem Leserbrief an den „KW-Kurier“ und an den „UHU“ geschrieben, dass Herr Kerber hier eine Auszeichnung verdient hätte, u.a. weil er die Aufsichtsratsmitglieder vor möglichen persönlichen Schadensersatzzahlungen in Größenordnung bewahrt hat. Stattdessen erhielt er Abmahnungen mit Kündigungsandrohung. Obwohl das Grundstück der WiWO gehörte, obwohl er dafür ein Gutachten hatte, das ihn in seinen Preisvorstellungen für das – zugegeben – schwierige Grundstück bestätigte. Die Zuspitzung ist schade und aus meiner Sicht unnötig, aber es entspricht der neuen Zeit in Wildau. Schauen wir mal, wie es weiter geht. Dr. Uwe Malich