Links, zwei, drei – rückwärts!

Die Zeit jetzt im Sommer ist für uns Medienleute Saure-Gurken-Zeit. Da passiert meist nicht viel. Sonst sind wir jetzt immer froh über Meldungen wie ein wieder aufgetauchtes Nottekanal-Ungeheuer, ein tief blicken lassendes Foto von Angie Merkel, dass Guido, die Westerwelle, jetzt mit der Katzenberger zusammen ist oder irgendeine Provinzposse. Und da haben wir hier im Dahmeland Glück. So eine Provinzposse führt jetzt die Linkspartei im Landkreis auf großer Öffentlichkeitsbühne auf.
Ein Stück, das allerdings nicht mal die meisten Linken hier selbst verstehen. Es beginnt so: Erst tritt der Kreisvorsitzende wegen „unüberwindbarer Konflikte“ im Kreisvorstand zurück. U.a., weil die „führenden Genossen“ eine Alt-Denkungsart in der Kommunismusdebatte hätten. Darüber sollte jedoch nicht geredet werden.  Der Kreisvorstand – so jedenfalls die linke Tageszeitung „Neues Deutschland“ – habe dafür „ja auch gar keine Zeit“ gehabt. Er sei vielmehr damit beschäftigt gewesen, gegen den alten Vorsitzenden „zu putschen“, ihm vorzuwerfen, die Linie der Linkspartei in einigen Punkten verlassen zu haben, eigene, nicht parteivorgegebene  Denk-Wege zu gehen. Was schon bei den Vorgängern in der SED bei Parteistrafe verpönt war.
Nun kommen Neue ans Kreis-Parteiruder. Alt-Denker zumeist. Und junge Sich-selbst-Inszenierer, Möchtegern-Politikmitmischer, die bald Machtspiele und Intrigen betreiben. Schnell streiten sich Alt- und Anders-Denker wie die Kesselflicker. Die Jungen wollen alles anders machen und fordern „radikale Veränderungen“ in der Partei, tun nur selbst nichts dafür. Veränderungen, worunter sie auch verstehen, den alten Vorsitzenden wie in schlechtesten SED-Zeiten aus der Partei werfen zu wollen, weil der inzwischen Vorschläge gemacht hat, die aus ihrer Sicht nicht parteistärkend seien. Die Radikalinkis wollen alles anders machen. Was und wie?  Das bleibt ihr Geheimnis. Konzepte? Keine. Fünf dieser linken Liebendgern-Politiker aus dem Kreisvorstand beklagen nun einen dort fehlenden solidarischen Umgang, werfen deshalb öffentlichkeitswirksam das Handtuch und dem Vorstand vor, „jeglichen Wandel zu blockieren“. „So kann es auf keinen Fall weitergehen. Wir brauchen moderne Strukturen, moderne Methoden, neue Mitstreiter, neue Ideen“. Welche? Die Antwort weiß allein der Wind, sagen die Alten und werfen über die Zeitung den Handtuchwerfern Schmalspurdenken vor. Sie sollten „wieder runterkommen“. Nun sind alle oben. Auf den Barrikaden. Und heillos zerstritten.
Gestern Abend ging in einer Programmdiskussion der Linkspartei in Groß Köris der nächste Akt dieses Macht-Spiels über die Bühne. Es wird nicht der letzte gewesen sein. Wie viele noch folgen, weiß keiner. Provinzposse oder Schmierentheater? Ein Stück eigentlich zum Lachen. Für die, die die Linkspartei mal gewählt haben, allerdings zum Heulen. Denn für das Durchsetzen des Anspruchs, die Partei der sozialen Gerechtigkeit zu sein,  ist seit den Partei-Intrigen und Machtspielchen seit Monaten kaum noch Platz. Das ist im Kreis nicht anders als bei den Linken im Bundestag, die erbitterte Flügelkämpfe austragen. Seither verliert die Linke kontinuierlich Wählerstimmen, Vertrauen und Mitglieder. Die fühlen sich gelinkt. Bundesweit wie im Kreis.
Links, zwei, drei – wohin marschiert die Linkspartei? Sie ist aus dem Tritt gekommen. Links, zwei, drei – wohin marschiert die Kreis-Linkspartei unter ihrer jetzigen Führung? Wie es ausschaut: im Kreis. So dachten viele noch Anfang des Jahres. Inzwischen siehts so aus, als ginge es rückwärts. Und wenn hier nicht bald ein Halt erfolgt – zum Beispiel durch die noch vorhandenen Realos in der KWer Stadtfraktion, dann  führt der Weg stramm runter von der kommunalpolitischen Bühne und in die Bedeutungslosigkeit. Wetten, dass?

Na, und überhaupt.

Mark Brandenburger

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