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Lisa Fitz: Rebellin gegen den Zeitgeist

1951 geboren, aufgewachsen in einer bayerischen Künstlerfamilie, bayerisches Original ,Schauspielerin, Sängerin, Kabarettistin, Autorin, Aufklärerin, Politiker-Schreck, intelligent, selbstbewusst, witzig, authentisch, unangepasst, bissig, wortgewaltig, versöhnlich, engagierte Pazifistin, Trägerin des Bayerischen Verdienstordens, Medienpreis des deutschen Mittelstandes, Deutscher Kleinkunstpreis u.a. Ehrungen. Welche Ihrer Eigenschaften ist für Sie die wichtigste?

Meine Energie, mein Humor, Unbestechlichkeit und Aufrichtigkeit, heißt: Aufrecht stehen, mit geradem Rücken, notfalls gegen den Wind.

Wie wurden Sie so selbstbewusst?

Das war ein sehr langer Weg. In „Dauerbrenner! Das große Jubiläumsprogramm“ erzähle ich das ausführlich. Jahrzehntelange Berufserfahrung, entwicklungsintensive Beziehungen, sowie das Durchwandern und Ablegen von gesellschaftlich akzeptierten Unarten wie Alkohol- und Nikotin-Abusus. Ein Weg hin zu Halbmarathons, später Yoga und Krafttraining. Das war nicht „einfach so da“, das geht auch nicht von heute auf morgen. Ich hatte auch einen Schutzengel, der mich aus jeder zu weit ausgerittenen Kurve wieder auf den geraden Weg gebracht hat. Starke Frauen in meiner Familie, gegen die ich mich an entwickeln und vor denen ich bestehen musste, aber auch Männer, die mir den Rücken gestärkt haben. „Hinter jedem starken Mann steht eine Frau, die ihn stützt“, heißt es, bei mir war´s umgekehrt. Aber man muss auch den Mut haben, dieses Beziehungsmodell zu leben, heißt, mich haben nie Männer mit Geld und Macht interessiert, sondern solche, mit denen ich kreativ sein konnte, die mich gefördert und mich beruflich unterstützt haben.

Ihr Sohn Nepo Fitz trat erfolgreich in Ihre „Fußstapfen“. Ein „echter Fitz“? Wie haben Sie ihn motiviert?

Auf vielfältige Weise und auch gegen seinen eigenen Willen (lacht). Verschenktes, verrottetes Potential finde ich fast tragisch. Ich kann mich an eine Situation erinnern, da saß er im Wohnzimmer, spielte Klavier und weigerte sich zu singen (obwohl er viel Talent hatte). Steif und fest bestand er drauf: „Ich kann nicht singen!“ Dann wurde ich energisch und hab gesagt: „Du singst jetzt und zwar laut!“ Das hat seine Hemmung durchbrochen wie eine Mauer und heute müssten Sie ihn mal singen hören … Motivation und Förderung sind so wichtig, und ein Coach muss auch mal energisch werden, wenn der Schützling wie ein Pferd den Sprung verweigert. 

Sie sprechen immer den Zeitgeist an und damit den Menschen aus der Seele; eine der Grundlagen Ihres jahrzehntelangen Erfolgs?

Der Zeitgeist ist manchmal ziemlich dumm. Er biedert sich gern an das an, was propagiert wird. Vielleicht ist die Kunst, den Zeitgeist zu erschnuppern und auf ihm zu reiten wie auf einer Welle, aber sich nicht von ihm überschwemmen zu lassen, sondern zu benennen, was gut und richtungsweisend ist, wo man Tradition entstauben muss und andererseits, wo der Zeitgeist einfach in den Schmarrn führt. Kann man zurzeit sehr gut beobachten. Kabarett muss hinter-fragen, regierungsskeptisch sein, Politikerhumorvoll, aber auch mutig kritisieren und kein Hasenpfötchen-Kabarett sein, das nur abnickt, was Regierung und Medien erzählen (die übrigens früher weitaus regierungskritischer waren) Kabarett heißt nicht, sich auf lustige Urlaubsgeschichten zu beschränken, wie das Comedy gern macht. 

Ist es schwerer geworden, intellektuelles, politisches ­Kabarett zu machen, das die Mächtigen demaskiert und die Schwachen unterstützt?

Schwerer ist es für mich nicht geworden, es ist ja mein ­Metier seit vielen Jahrzehnten. Aber man braucht zurzeit mehr Mut und Standfestigkeit. Ich bin politischer geworden, und da mussman gegen den Wind oder oft gegen den Sturm antreten. Es bläst einem zuweilen ein ziemlich kalter Wind ins Gesicht, wenn Leute mit gegensätzlicher Auffassung einen einfach missverstehen wollen. Konstruktive Kritik nehme ich gerne an, weil ich viele gute Lehrer und ­Lehrerinnen hatte. Aber es macht mich zornig, wenn man mir Sichtweisen und Haltungen unterstellt, die einfach nicht zutreffen. Man kann es natürlich nicht verhindern. Ich halte es dann gerne mit der Indio-Weisheit: „Man muss nur lange genug am Ufer des Flusses sitzen, um irgendwann die Leiche seines Feindesvorüberschwimmen zu sehen.“ Symbolisch natürlich (lacht).

Seit mehr als 50 Jahren sind Sie sehr erfolgreich im Showbusiness. Haben Sie sich ein altersbedingtes Verfallsdatum für Ihre Auftritte gesetzt?

Seltsam, dass man das Dieter Hildebrandt nie gefragt hat. Bei Frauen scheint es ein „Verfallsdatum“ zu geben, ein unschöner Begriff. Schauen Sie meine Fotos an … solange ich gesund bin und die Zuschauer meine Gastspiele so gut füllen wie zurzeit, sehe ich keinen Grund aufzuhören. Das Rentendenken überlasse ich gerne anderen.

Wo, wie, mit was und wem entspannt sich Lisa Fitz vom Bühnenrummel?

Wir wohnen in Niederbayern auf einem Anwesen, rundherum nur Felder, Wiesen und Wälder. Oft kommen Rehe und Hasen zu uns aufs Grundstück. Wir haben eine vielfältige Vogelwelt und Teile des Grundstücks sind ein Biotop. Ein Paradies, das wir uns in vielen Jahren geschaffen haben, mein Lebenspartner Peter und ich. Vor über 30 Jahren habe ich dieses Anwesen gekauft für eine Summe, für die man heute oft nicht mal mehr eine Einzimmerwohnung bekommt. Ich habe das auch vielen Freunden geraten, aber viele wollen keine Immobilie besitzen und werfen das Geld über Jahrzehnte lieber für die Miete raus.

Danke für dieses informative, nette Gespräch. Viel Erfolg weiterhin als Rebellin gegen den Zeitgeist. Wir freuen uns auf Lisa Fitz, am 18. November 2023, 20 Uhr in Dieter Hallervordens „Wühlmäusen“ mit „Dauerbrenner! Das große Jubiläumsprogramm“. 

Das Gespräch führte
Sonja Dubbke; 

Foto: Lisa Fitz (privat)

Das neue Programm

startet am:

22. 7. 2024

23. 7. 2024

24. 7. 2024

Jeweils 20 Uhr

in den Wühlmäusen

Ticketinformationen:

karten@wuehlmause.de,

Telefon: 030 30 67 30 11

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