Mach ihn rein!

Unglaublich! Ich hätte es nicht für möglich gehalten: So viele, die diese Probleme haben. Und so viele, die sich – wie man seit letzter Woche  jetzt allerorten sieht – öffentlich outen und auf Besserung hoffen. Worum geht es? Das Bundesgesundheitsministerium hat in einer Studie ermittelt, dass ganz viele Leute leiden. Männer an Erektionsstörungen und Frauen an Aufmerksamkeitsdefiziten wegen der völlig übertrieben Sexismus-Debatte, nach der Mann sie ja nicht mal anschauen oder ihr Komplimente sagen darf, ohne sexueller Belästigung verdächtigt zu werden. Das Bundesministerium hat Männern wie Frauen, die das Problem haben geraten, es öffentlich zu machen. Das würde eine Art sexueller Befreiung sein. Und deshalb sollen diejenigen ein Zeichen  setzen. Ein schwarz-rot-gelbes. Flagge zeigen. Was sie jetzt en masse tun. Als Fahne in diesen Farben am Auto, als solch farbigen Überzieher an den Autospiegeln, mit dreigestreiften Socken, ebensolchen Schlüppis, mit Tattoos und Hüten in diesem Look, mit bunten Tröten, Schals, Hemden. Der Handel hilft dabei. Er tut alles, damit jeder befriedigt wird. Ich habe dieser Tage – alles in den nervigen Dreifarbverpackungen – Eckfahnen-Käse gesehen, Flanken-Brot, Mannschaft-Eintopf, Elfer-Bratwurst, Freistoß-Filet, Team-Pizza, Spielmacher-Salami-, Stürmer-Chips; Hosentaschen-Nüsse, Fruchtgummi-Spieler, Flutschmeister-Eis, eingefärbte dreifarbige Kakteen – und als größten Scheiß bei Penny: Ausputzer-Toilettenpapier. Ja, wirklich.  Und wenn Jesus Fußballer gewesen wäre, gäbe es jetzt bestimmt auch Christ-Stollen für dessen Fußball­schuhe. Auch schwarz-rot-kinderkackefarbene Kondome sind im Angebot. Dazu den Fußballer-Song „Mach ihn rein!“ spielen. Wer da keinen reinkriegt! 

Mir erzählte neulich eine Dahmeländerin, dass ihr Freund im Bett als Stoß-Stürmer versagt hat: „Komisch,  auf dem Fußballplatz bin ich immer in Hoch-Form.“ Sie daraufhin: „Na gut, dann versuchen wir es mal dort.“

Unsere Balltreter versuchen es in Russland auch. Die Hype um den schon fest verbuchten teutschen WM-Sieg ertönt in „högschden Jogi-Dönen“.Wir waren ja schon vorab quasi Weltmeister. Wir vergessen nur immer, dass auch andere Sport können und Deutschland über alles schon ein paarmal böse auf die Schnauze flog. Wie die pomadige, satte Millionärs- „Mannschaft“ am Sonntag zu Recht gegen leidenschaftlich kämpfende Mexikaner. Und diesmal konnte keiner behaupten: Die Russen sind schuld!

Deshalb: Wir sollten mit dem Boden auf den Füßen bleiben, wie Herthas einstiger Trainer Jürgen Röber mal sagte. Denn der Ball ist rund. Wäre er eckig, wäre er ja ein Würfel. Ein Käsewürfel in den Deutschlandfarben vielleicht. Nach der wohltuenden  Niederlage: Wir dürfen jetzt nur nicht den Sand in den Kopf stecken, wie unser unnachahmlicher Loddar Matthäus mal erkannte. Aber mit erstgenanntem Problem scheint es schon besser geworden zu sein: Am Sonntagabend sah man wenige deutschtümelnde Zeichen. Also, künftig: Mach ihn rein! Na, und überhaupt.

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