Mehr als faul

Es ist was faul im Staate Dänemark, heißt es bei Hamlet. Ach, Kinkerlitzchen, was die Dänen und ihr Königshaus so veranstalten. Old Shakespeare kannte unser Deutschland nicht.
Da wird eine Kassiererin aus dem Supermarkt wegen eines einbehaltenen Kassenbons von gut einem Euro gefeuert, ebenso eine Verkäuferin, die sich einige alte Brötchen mitgenommen hatte und ein Mitarbeiter eines großen Konzerns, weil er ein privates Elektrogerät in der Firma aufgeladen hatte. Stromkosten: Einige Cent.
Gut, das alles muss nicht sein. Ehrlichkeit fängt im Kleinen an. Aber wie ist es im Großen? Wenn zum Beispiel die frühere Bundesgesundheitsministerin Schmidt mit ihrem Dienstwagen samt Fahrer nach Spanien düst. Rechtlich steht ihr das sogar zu. Wie auch Brandenburgs Ex-Bildungsminister Rupprecht, der mit einer Dienst-Luxuskarosse in den Urlaub reiste. „Blöd und dumm“ hat Rupprecht sein Verhalten genannt und trat zurück. Frau Schmidt übrigens damals nicht. Zurücktreten musste auch Brandenburgs Innenminister Speer nach seiner Unterhaltsaffäre.
Doch so ein Rücktritt vom Regierungsamte ist für Politiker die Fahrkarte für ein sorgloses Leben bis zur gut datierten Rente. Es gibt zwei Jahre lang ein Übergangsgeld, ein halbes Jahr lang über 10 000 Euro, dann die Hälfte und weitere Versorgungsleistungen. Und ab 60 – nicht erst mit 67! – fließen die Pensionsbezüge. Wohldotiert mit ein paar tausend Euro. Ein paar Eurochen mehr als Otto Normalbürger bekommt. Egal, ob jemand zurücktreten muss oder durch eine neue Regierungsbildung nicht mehr Minister oder Staatssekretär ist. Politik als hemmungsloser Selbstbedienungsladen.
Eine Reform der Abgeordnetendiäten und auch der Politikerpensionen – so schnell wird sich da bei deutschen Politikern keine Mehrheit finden. Denn weshalb sollte man das vom dummen Volke bezahlte, wohl gemachte Versorgungsnest, in das man sich gut abgesichert setzen kann, anrühren? Statt dessen streitet man sich wie die Kesselflicker um 5 Hartz-Euro mehr oder nicht.
Das ist mehr als was faul, das stinkt dem ehrlichen Manne. Es ist, mit Verlaub, zum Kotzen. So sehr, dass man gar nicht so viel essen kann, wie man speien möchte.
Und überhaupt.
Mark Brandenburger

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