Mit Schnupfen 
in die Notaufnahme?

Schön, wenn Kinder so vertrauensselig auf dem Behandlungsstuhl Platz nehmen. Aber leider ist die Versorgung mit niedergelassenen Kinderärzten in KW keine heile Welt. Foto: txn

Es fehlt weiter an Kinderärzten in KW und Umgebung 
Praxis im MVZ arbeitet eingeschränkt weiter

Es steht nicht gut um die Versorgung mit Kinderärzten in Königs Wusterhausen und den weiteren Orten im Norden des Landkreises. Da ruft die Nachricht, dass die Kinderarztpraxis am MVZ des Achenbach-Krankenhauses in Königs Wusterhausen zum 1. Oktober nicht – wie befürchtet wurde – vollends geschlossen wird, schon mal etwas Erleichterung hervor. Aber die Sorgen und Nöte der Eltern und der niedergelassenen Ärzte bleiben.

Viele Gerüchte waberten durch die Stadt hinsichtlich des Versorgungszentrums. Fakt ist, so bestätigt die Leitung des Klinikums Dahme-Spreewald, dass zum 30. September / 1. Oktober dieses Jahres ein Arztwechsel in der Kinderpraxis statt gefunden hat. Tatsächlich bestand dabei auch die Sorge, dass zum Zeitpunkt des Weggangs des bisherigen Facharztes nicht nahtlos ein Ersatz gefunden wird.

Das ist nun aber doch geglückt. Mit großem Engagement sei es der Geschäftsführung des MVZ gelungen, so teilt das Klinikum mit, die drohende Lücke zunächst bis zum Jahresende zu überbrücken. „Von Oktober bis zunächst zum Jahresende konnten wir mit Herrn Dr. Stefan Noll einen kompetenten und erfahrenen Kinderarzt gewinnen, der regelmäßig Sprechstunden in der Kinderarzt-Praxis des MVZ durchführen wird“, informiert Michael Kabiersch, Geschäftsführer des Klinikums Dahme-Spreewald und des MVZ. „Wir freuen uns sehr, dass die Praxis somit weiterhin zur adäquaten Versorgung der jüngsten Patienten in der Region beiträgt. Zugleich bemühen wir uns gemeinsam mit dem Landrat Stephan Loge intensiv um eine langfristige Nachfolge. Der Bedarf ist auf jeden Fall hoch und gerade die Kinderarztpraxis ist uns sehr wichtig“, versichert der Klinikchef. Auch Königs Wusterhausens Bürgermeisterin Michaela Wiezorek atmet erstmal auf. „Ich bin froh, dass diese Lösung gefunden wurde, auch wenn sie das Versorgungsproblem nicht auf Dauer klärt. Jedoch bin ich zuversichtlich, dass die Geschäftsführung der Klinikum Dahme-Spreewald GmbH und der Landkreis gemeinsam die Kinderarztpraxis auch langfristig besetzen können“, sagt sie.

Die Praxis wurde erst im Jahr 2020 am Medizinischen Versorgungszentrum Königs Wusterhausen eingerichtet, weil die Kapazitäten der vorhandenen niedergelassenen Ärzte im Fachbereich Kinder -und Jugendmedizin in der Stadt und der gesamten Region längst nicht mehr ausreichen. Ein stetiger, ganzwöchiger Betrieb konnte aber seitdem nicht erreicht werden. Und auch die jetzige Übergangslösung ist vorerst wieder nur ein Kompromiss. Mit dem Zuzug in die Stadt und ihre Ortsteile sowie auch nach Bestensee, Schulzendorf und die S-Bahngemeinden Wildau, Zeuthen und Eichwalde und auch mit der erfreulicherweise wachsenden Geburtenrate ist es aber längst zu einem erheblichen Anstieg der Patientenzahlen in den Praxen im Landkreis Dahme Spreewald gekommen.

Der von der Kassenärztlichen Vereinigung für Königs Wusterhausen festgelegte Versorgungsschlüssel für Kinder-Facharztpraxen sei lange überholt, heißt es aus der Ärzteschaft. Insgesamt gibt es in KW drei niedergelassene Ärzte, dazu kommt noch jeweils eine Praxis in Wildau und in Eichwalde. „Bereits jetzt erhalten wir täglich eine Vielzahl an Anrufen und Anfragen von verzweifelten Eltern, die sich für ihre Kinder eine fachgerechte und verlässliche medizinische Versorgung wünschen“, betonen die Ärzte und Ärztinnen in einer gemeinsamen Erklärung. Auch weil Praxen wie beispielsweise in Bestensee weggefallen sind, habe sich die Betreuungssituation so verschärft, dass Neupatienten oft nur dann aufgenommen werden können, wenn die bisherigen dem Jugendalter entwachsen sind. Da die niedergelassenen Ärzte mit ihren orginären Aufgaben wie der Behandlung akuter Erkrankungen oder der großen Bandbreite an präventiven Leistungen wie Vorsorgeuntersuchungen und ganz aktuell wieder den Impfungen am Limit arbeiten, bleibt vielen Patienten als Alternative nur der Gang in die Notfallambulanz des Krankenhauses. Insofern ist eine funktionierende, regelmäßig arbeitende Kinderarztpraxis am MVZ des Krankenhauses ein wichtiger Baustein, um auch derartigen Fehlentwicklungen zu begegnen. TM