Natalja Habermann – eine Schneiderinstitution im Dahmeland

Wer in und um KW was an seiner Bekleidung zu ändern hat, eine Hose oder einen Ärmel zu kürzen, einen komplizierten Riss möglichst ungesehen zu machen, ein Hochzeits- oder Abikleid figurgenau anpassen möchte, der weiß, wo er oder sie damit hingehen kann: Zu Frau Habermann ins FontaneCenter. Die fast 70-Jährige ist eine Schneiderinstitution im Dahmeland. Natalja Habermann macht alle anfallenden Näharbeiten mit verschiedenen Stoffen und auch aus Leder, näht Gardinen und vieles mehr.

Das Schneidern und Nähen liegt ihr im Blut. Schon mit 12 nähte sie mit der Oma daheim in Russland für Nachbarkinder, später lernte und studierte sie in Moskau am Modedesigninstitut. Im Mai vor 50 Jahren machte sie ihren Abschluss als Damenmaßschneiderin. Durch Heirat kam sie 1973 in die DDR. Hier arbeitete sie anfangs am Band des Bekleidungswerkes in Wildau. Nach der Geburt ihrer Kinder machte sie sich selbständig. Anfangs noch mit Maßanfertigungen, heute nur noch hobbymäßig und jeweils halbe Tage mit Änderungsschneiderei, um sich zu ihrer kleinen Rente etwas hinzuzuverdienen.

In KW ist sie seit 1990. Ihre erste Schneiderei hatte sie an der Schleusenbrücke. Aufgrund von Eigentumsansprüchen der Altbesitzer wechselte sie in ein Kelleratelier nahe dem Stadtbrunnen, nutzte dann die Räume des Kinos Capitol und seit 16 Jahren hat sie ihre kleine Werkstatt im FontaneCenter. Die Kunden, manche kennt sie schon seit 40 Jahren, blieben ihr treu und wanderten immer mit. Auch, weil sie auf ihrer verlässlichen, 60 Jahre alten DDR-Veritas-Nähmaschine mit Kreativität einfach alles näht und kann. Immer perfekt und zur vollen Zufriedenheit der Kunden. Schnell und zu fairen Preisen.

Und da sie selbst gern das Gespräch sucht, kennt Frau Habermann zig Familiengeschichten, viele Kunden schon seit deren Kindheit, Freundschaften entstanden und eine Art Sozialpunkt. Manche Kunden kommen nur zum Reden, ältere Frauen lassen sich Briefe vorlesen oder Spätaussiedler wollen Erinnerungen austauschen. Manchmal geht es bei ihr zu wie in einem Taubenschlag. Ihr Anspruch: Es reicht nicht, einen Beruf erlernt zu haben, ihn zu beherrschen. Man muss ihn mit Herz ausfüllen. Egal was, alles muss kreativ, perfekt und sauber erledigt werden, kundenfreundlich. Ihre Tochter hat bei ihr gelernt, bestand die Schneider-Designerschule mit Auszeichnung. UR(T+F)