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Nur den Kopf schütteln

Es war wohl keine so gute Idee. Wir sind doch hier nicht im Bundestag, grinste meine Frau. Und außerdem machst Du ja nichts Systemrelevantes, beschied sie mir. Naja. Ich finde schon, dass meine harte Gedankenmüh´ für ein wöchentliches Ange(Mark)t hier schon wichtig ist. Ich hatte deshalb einen Corona-­Taschengeld-­Bonus ins Spiel gebracht. Anders im Bundes­tag. Dort sitzen 709 Abgeordnete. Jeder/jede mit knapp 11000 Euro im Monat gut dotiert. Sie haben auch Mitarbeiter. Rund 4500. Die erhalten jetzt einen Corona-Bonus von bis zu 600 Euro ausbezahlt. Steuerfrei. „Als Anerkennung ihrer zusätzlichen Arbeitsbelastung“ während der Krise, so Bundes­tagspräsident Wolfgang Schäuble(CDU). Das ist erst mal lobenswert. Denn wo gibt es noch Arbeitgeber, die an ihre Mitarbeiter denken? Aber worin die Mehr-Belastung der Mitarbeiter bestand, hat Schäuble nicht gesagt. Sie waren selbst überrascht, hatten nichts gefordert. Die meisten waren „eher etwas befremdet als erfreut”. Viele sagen sogar, dass es eher keine spürbare Mehrbelastung im Vergleich zu den Vorjahren gegeben habe, sogar oft bequem im Homeoffice gearbeitet werden konnte. Einige überlegen nun, das Geld für einen wohltätigen Zweck zu spenden. Ob aber dann Geben wirklich seliger denn Nehmen ist? Man weiß es nicht. Auch nicht, ob die Mitarbeiter der Abgeordneten systemrelevant, also unverzichtbar für das Funktionieren der Gesellschaft sind. Und wenn ja, worin besteht die Systemrelevanz? Dass sie im Bundestag arbeiten, den Abgeordneten zur Hand gegen? Die haben ja oft keine Zeit, weil sie so viele gut bezahlte Nebenjobs zu bewältigen haben. Aber wie stehts in der Bibel: Den Seinen gibt´s der Herr im Schlaf. Und was ist mit den anderen? Denen fehlt oft der Schlaf vor Erschöpfung über die hohen Belastungen in der Coronazeit. Menschen, die im Gesundheitswesen, in der Altenpflege, vor allen Dingen in der Krankenpflege arbeiten und die sich um die Schwächsten kümmern. All die anderen unentbehrlichen medizinischen Helfer, Supermarktmitarbeiter, die Kassiererinnen und die Reinigungskräfte. Diese Helden des Alltags sichern uns in der aktuellen Lage das Funktionieren der Gesellschaft: Wer zahlt ihnen eine Coronabewältigungsprämie? Sie sind schlechter bezahlt und mit einem höheren Ansteckungsrisiko als die im Warmen sitzenden Bundestagsabgeordneten und deren im Verborgenen arbeitenden Mitarbeiter. Aber eben nicht systemrelevant. Sie sollten ein Stück mehr Sicherheit bekommen – mit besserem Lohn und weniger prekären Arbeits­verhältnissen. Wir sehen gerade in dieser Zeit, dass die Leistungsträger nicht immer die mit Anzug und Krawatte sind, nicht a priori die im Bundestag Sitzenden. Man kann über die unchristliche Unsensibilität einiger der Politgroß­kopfeten nur den Kopf schütteln. Gerade in der christlichen Weihnachtszeit. Und überhaupt.

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