Oazapft is!

Ich bin ein bissel schadenfroh: Geschieht ihr ganz recht! Denn warum soll es Angie anders ergehen, als Millionen anderer Menschen und Behörden überall auf der Welt: Merkel wurde wohl auch vom US-Abhördienst NSA belauscht. „Oazapft is“ heißt es bei Obama nicht nur zur Oktoberfestzeit, sondern 365 Tage lang, jahraus, jahrein. Weltumspannend. Wir als gemeines Volk hatten das hinzunehmen. Jetzt bei Merkel ist das Geschrei groß. Der Freund und „Frieden“-Nobelpreisträger Obama entpuppt als ein ganz übler Schnüffler, der sich anmaßt, wie es die Amerikaner ja seit eh und je tun, als Weltgendarm aufzutreten. Dürfen die Amis das so einfach, können sie das tun? „Yes, we can!“ hat Obama gesagt. Die Methoden dabei waren und sind den Amis egal. Wie bislang auch den deutschen Bundesregierungen. So hatten sie stets einen braunen Hemdkragen. Sie sind  – wie früher die ostdeutschen Regierenden den Russen –  dem amerikanischen Bruder tief in den Allerwertesten gekrochen. Egal, was der tat, wo er Kriege ausrief – Deutschland war in Vasallentreue unverbrüchlich an seiner Seite. Und so wurde auch die Welt-Schnüffelaffäre als Unsinn abgetan, als sie im Sommer bekannt wurde. Erst jetzt, wo Merkel selbst betroffen scheint, wird reagiert. Ihre Regierung hat den ganzen Sommer über die Snowden-Enthüllungen kleingeredet oder gar geleugnet. „Mir ist nichts bekannt“, hat die Kanzlerin damals gesagt. Aber vielleicht war das ja auch Neuland für sie. Ein andermal versicherte sie, dass sie keinen Grund habe  „an den Angaben der USA zur Einhaltung deutschen Rechts zu zweifeln“. War sie wirklich so blauäugig-naiv? Merkel rief bei Obama an- und der wusste schon im Voraus warum.
Allein von Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) und Kanzleramtschef Ronald Pofalla (CDU) wurde die Kanzlerin darin noch übertroffen. So versicherte Friedrich im August, die „Verdächtigungen“ hätten sich „in Luft aufgelöst“. Und Pofalla erklärte die Spähaffäre mit großer Geste für beendet: „Die Vorwürfe sind vom Tisch.“ Sind das ahnungslose Deppen oder tun sie nur so? Jedenfalls sind beide nicht nur deshalb fehl am Amts-Platze.
Aber das Spionieren, wie es die Amis betreiben, hat auch seine guten Seiten: Wenn beim Computer zum Beispiel die Festplatte kaputt ist, kann man sich an die NSA wenden und um eine Kopie aller eigenen Daten bitten. Oder man hat vor einiger Zeit im Internet auf einer bestimmten Seite  einen sehr guten Film gefunden, den man nun wiedersehen möchte. Dann bittet man die NSA, einem seine Browserchronik der letzten drei Jahre bei dieser Seite zu schicken, damit man den Film wiederfindet.  Oder es geht einem wie dem kleinen Jungen, der an Schnüffelbama schreibt: „Mein Vater hat gesagt, Du kannst in meinen Computer gucken.“ Obama: „Das ist nicht Dein Vater.“ Aber ist das alles nicht auch ein wenig beruhigend? Wenn man wie ich jetzt solche Texte schreibt, dann fragt man sich doch auch mal, ob das denn auch einer liest. Und man weiß: Die Amis garantiert! Sie nehmen Anteil, interessieren sich für einen, kümmern sich:  Wenn ich zum Beispiel meiner Frau eine Mitteilung aufs Smartphone schicke, dass ich im Gemüseladen einkaufen bin und statt „Bin im Laden“ verkürzt nur im jugendlichen Neusprech „ Bin Laden“ schreibe, dann klingeln bei den Ami-Lauschern die  Alarmglocken so was von laut! Aber holla, die Waldfee! Da sind die Glocken von Rom Katzenhalsbandglöckchen dagegen.
Das alles erinnert an die Stasi, die jedem nicht staatskonformen Furz nachschnüffelte. Doch was die Mielke-Jünger trieben, war doch Augsburger Puppenkiste zu dem, was die NSA hier praktiziert! Das geht ja so weit, dass schon Kinder verunsichert werden. Zum Beispiel, wenn sie zum Arzt müssen. Dann fragt dann das Kind den Arzt, der es abhört, ob er vom NSA sei. Und er muss sich erklären: „Nein, das gehört zur Untersuchung!“
Nur an einem sind auch die NSA-Spitzel verzweifelt: Sie hatten vor der Bundestagswahl in den Wahlprogrammen der Parteien nach Inhalten gesucht – und nicht gemerkt, dass es gar keine gab.
Na, und überhaupt.

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