Oft fehlten nur Kleinigkeiten

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Netzhoppers Trainer Mirko Culic zieht Saisonbilanz 

DT | KaWe-Kurier online

Die Volleyballbundesliga-Saison ist für die Netzhoppers SolWo Königspark KW beendet. Unterm Strich steht für den kleinen Verein aus dem Dahmeland ein neunter Tabellenplatz in der Eliteliga. Damit haben es die Netzhoppers in diesem Jahr nicht in die Playoffs geschafft – aber haben auch nichts mit dem Abstieg zu tun. KaWe-Kurier sprach mit Trainer Mirko Culic (55), der das Team seit neun Jahren coacht.

Herr Culic, was steht für Sie persönlich unterm ­Bilanzstrich?

Positives wie Negatives. Mehr Positives: Ich bin nicht unzufrieden mit der Saison. Positiv war, dass wir daraus wieder ein Stück lernen konnten: Wo wir im Vergleich mit den Besten stehen, woran wir arbeiten müssen. Natürlich haben wir wieder mit einem 8. Platz und damit mit den Playoffs geliebäugelt, die jetzt stattfinden – schon um der Mannschaft weitere Spielpraxis zu verschaffen. Aber fünf Siege in 20 Spielen reichten eben nicht. Allerdings ist die Liga sehr stark und die mit einer Wildcard neu hinzugekommenen Hypo Tirol Alpenvolleys haben schon Champions-League gespielt. Das Team kann mit einem Etat von über 2 Millionen Euro ganz anders arbeiten wie auch der in dieser Saison bisher ungeschlagene VfB Friedrichshafen mit fast 5 Millionen Euro oder auch der Zweite, die Berlin Recycling Volleys mit fast 4 Millionen  Millionen Euro. Wir haben ein Viertel davon. Das ist eben so und wir wollen darüber nicht hadern. Was aber für mich auch zählt ist, dass unsere seit Jahren stabilen Zuschauerzahlen zeigen, dass wir bei den Fans immer noch gut ankommen. Und das nicht nur in der Landkost Arena bei Heimspielen, sondern auch bei Auswärtsspielen. Beim letzten Derby bei den Berlin Recycling Volleys waren über 4000 Zuschauer in der Halle, bei anderen Mannschaften waren das dort nur halb so viele. 

Worüber haben Sie sich am meisten gefreut?

Über unseren überraschenden Sieg daheim gegen die United Volleys im Tiebreak. Das starke Spiel gegen die Volleys oder zum Beispiel, dass wir gegen Friedrichshafen zwei Sätze auf gleichem Niveau gespielt haben und uns lange mit ihnen messen und mithalten konnten – auch wenn wir letztlich verloren haben. Oder dass wir dreimal ­Rottenburg schlagen konnten. In die Volleyballbundesliga-Geschichte ist auch unser Rekordmammutsatz von 41:43 gegen Herrsching eingegangen. Und ich bin auch sehr froh, dass wir wieder Nachwuchsspieler wie Robin Hafemann in die Mannschaft integrieren konnten.

Und worüber ärgerten Sie sich?

Zum Beispiel, dass wir wie im Spiel gegen die Alpenvolleys nach einer 1:0-Führng völlig den Faden verloren haben. Aber so schlecht, wie wir damals letztlich gespielt haben, waren wir gar nicht. Aber in jeder Saison hat man ein oder zwei solch vergeigter Spiele wie es auch Fußballteams wie Hertha schon gegen schlechtere Mannschaften erfahren haben. Die Spieler sind keine Roboter. Das mussten ja z.B. auch die an sich klar favorisierten Volleys bei ihrer 0:3-Niederlage gegen Lüneburg erleben. Unser Problem war es oft, dass wir den Sack wie gegen die Volleys, wo wir kurz vor Satzgewinnen standen, nicht zumachen konnten, nicht bis zum Schluss durchgehalten haben oder wir nicht die nötige Cleverness und Abgebrühtheit hatten. Oft waren es nur Kleinigkeiten, die uns gefehlt haben, gegen besser platzierte Mannschaften zu gewinnen. Ein Problem waren auch unsere vielen vergebenen Angaben – auch durch Routiniers. Das hat Punkte gekostet. Und wir müssen natürlich auch sehen, dass wir sehr viel mit Verletzungssorgen zu tun hatten. Wir hatten noch nie so viele Spieler wie diesmal, die nacheinander oder gleichzeitig durch Operationen ausfielen. Und oft lange Zeit. Darunter Leistungsträger wie Björn Andrae, Paul Sprung oder Filipp Gavenda.

Einige Male haben aber auch die Schiedsrichter mit ihren Fehlpfiffen ein Spiel entschieden.

Das stimmt schon. Aber wenn der Ball mit 120 km/h kommt, kann man nicht alles sehen. In der Champions League gibt es da inzwischen wie beim Fußball den Videobeweis, das macht Entscheidungen gerechter. 

Wie gehen Sie mit Fehlentscheidungen oder Niederlagen um?

Nach Fehlentscheidungen fühle ich mich manchmal zwar hilflos, aber nicht frustriert. Auch nach Niederlagen nicht. Jammern hilft da nicht. Niederlagen gehören zum Sport. Und wer mich kennt, der weiß, dass ich da nicht wie zuweilen mancher Trainer ausraste oder das öffentlich an den Spielern festmache.

Und was machen Sie nach Niederlagen, um den Kopf wieder frei zu bekommen?

Ich lese oder gehe mit dem Hund spazieren, nach ein, zwei Tagen ist alles wieder ok.

Es wurde in den letzten Tagen viel spekuliert. Wir wollen es wissen: Machen Sie als Trainer weiter?

Nur so viel: Auch nach neun Jahren als Netzhoppers-Coach bin ich noch motiviert. Mich reizt, noch zwei oder drei Jahre zu beobachten, wie junge Spieler wie Luke Herr, Filip Gavenda, Theo Timmermann, Sascha Kaleck, Robin Hafemann oder Iven Ferch ihr Maximum erreichen – und ich will ihnen dabei helfen. Oder eben auch jedes Jahr – wie es unsere Philosophie ist – junge Spieler entwickeln, sie in die Mannschaft integrieren. Ein Weitermachen hängt aber nicht alleine von mir ab. Meine Frau in Belgrad muss auch dabei „mitspielen“, dass wir noch eine Zeitlang eine Fern-Ehe führen, dann hängt es vom Wort der Sponsoren ab, vom Vorstand und von den Spielern, ob ich meinen Job gut gemacht habe, ob sie weiter mit mir arbeiten wollen. Es gab schon einige gute Gespräche, in den nächsten zwei Wochen gibt es weitere. 

Und wenn Ihnen ein anderer Verein mehr Geld bietet?

Das Geld allein macht es nicht, sondern das Vertrauen untereinander im Verein. Und das ist bei den Netzhoppers gegeben. Wir fühlen uns eins: Alle, die damit zu tun haben. Als ein Team, als Netzhoppers. Zum Beispiel auch, wenn in der Mannschaft ein 36-jähriger Routinier und ein 19-jähriger Nachwuchsspieler miteinander harmonisieren. 

Das großes Problem ist jedes Jahr die lange Sommerpause in der Bundesliga. Wie geht es für die Mannschaft weiter bis Oktober?

Vor allem mit Spiel-Training, um nicht aus dem Rhythmus zu kommen. Dann werden wir im Sport- und Gesundheitszentrum in KW viel Kraft trainieren, im Juli werden wir mit ein oder zwei Teams beim wieder stattfindenden Beachvolleyballturnier in KW dabei sein. Wir werden auch mit jugendlichen Volleyballern Beachvolleyball trainieren und dann gibt es zum Ende des Sommers 10 bis 15 Freundschaftsspiele. Dann wissen wir auch schon in etwa, wie die Mannschaft aussieht. Bis jetzt wissen wir, wer bleibt, aber noch nicht, welche neuen Spieler sich vorstellen. Eines weiß ich aber mit Gewissheit: Wir freuen uns auf die neue Saison.

Es fragte: Ulrich Rochow

Fotos: Dagmar Jaschen(2), Oliver Schwandt

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