Osterjauchzen Sie schön!

„Na, du alter Eiermaler!“ Mir ist das schon vielerdorfs zu Ohren gekommen, dass man – nicht frau – sich so begrüßt. Und nicht nur zur Osterzeit. Ist das nun nett oder unnett gemeint, kumpelhaft oder verächtlich? Vielleicht ist ja damit ein Helfer des Osterhasen gemeint, der die Eier bunt malt. Denn bevor ein Ei sich vom Osterhasen verstecken lässt, wirft es sich in Schale. Bunt bemalt. Und für Veganer bunt bemalte Kartoffeln. Auch mit Schale. Aber mit den Eiern, da scheint es Beschaffungsprobleme zu geben. Weshalb sonst hätte Oliver Kahn nicht schon damals gefordert: Wir brauchen Eier! Damit Ostern ein Freudenfest werden kann. Nicht für jeden. Jesus sah das mit dem Freudenfest anders. Er soll ja am Kreuz gesagt haben: „Ich hasse Ostern!“ Mir wird Ostern jedes Jahr suspekter, weil die Schenkerei zum Fest bald schon Ausmaße wie Weihnachten annimmt: Immer mehr, immer größer, immer teurer. Bunte Eier, Süßigkeiten oder eine kleine Aufmerksamkeit genügen heute nicht mehr – nein, ein neues Handy oder ein Fahrrad müssen es schon sein! Aber mindestens! Und wenn die lieben Kleinen dann größer sind, das erste Auto. Ein Osterauto erkennt man übrigens sofort: Die Räder eiern.

Das Osterfest bringt viele Bräuche wie das Eiertrudeln mit sich. Oder das Osterwasserholen. In Senzig holten früher die Mädchen solches vom Bach an der Spukbrücke im Tiergarten. Sich damit zu waschen verheißt Schönheit. Allerdings dürfen sie dabei nicht sprechen, sonst wirkt der Zauber nicht. Weshalb immer nur alles für die Mädchen und Frauen? Me too, ich auch, habe ich mir gedacht. Ich wollte den Osterbrauch etwas abwandeln und für mich nutzen. Beim Geldholen von der Bank. Ich dachte mir, das würde die Angestellten vielleicht irritieren und sie sich zu meinen Gunsten verzählen. Also habe ich letztes Jahr vor Ostern wortlos ein Kondom über ein Ei und eine Münze gezogen und das auf den Bankschalter gelegt. Die Angestellte guckte irritiert, errötete und meinte, ich solle die sexistischen Anspielungen lassen. Sie hatte mich völlig falsch verstanden. Ich wollte ihr nur ohne Worte sagen, dass ich einen Überziehungskredit über Ostern brauche. Habe ich dann auch ohne Rumeierei bekommen.

Wussten Sie übrigens, dass der (Oster-)Hase auch ein Migrant ist? Ein Migrant? Na sowas! Oder wie unsere sächsischen Sprachmigranten sagen: „Ei verbibbsch! Nu gugge do!“ Det gloobste nich. Ist aber so.

Ursprünglich war Freund Hase in den Steppengebieten Asiens und Nordamerikas zu Hause und ist von dort irgendwann zu uns nach Europa eingewandert. Der langohrige Flüchtling ist inzwischen ein echter Europäer, was man schon an seinem lateinischen Name erkennt: Lepus europaeus. Er hat es geschafft, weil er sich der neuen Kulturlandschaft sehr gut angepasst hat. Er ist lernwillig und genügsam, sitzt nicht nur rum und hat sich ausbilden lassen. Sogar seinen Meister gemacht: Als Meister Lampe. Arbeit hat er, auch wenn das mehr Vergnügen ist: als Osterhase. Der Mann, der Rammler, ist von seiner Natur aus ansonsten ziemlich übergriffig gegenüber den Weibchen. Und auch denen anderer Sippen gegenüber. Aber da wollen es die Weibchen. Die sind sehr fruchtbar. Eins bringt immerhin drei- bis viermal im Jahr Nachwuchs auf die Welt.

Das dazu. Und was machen Sie in den nächsten Tagen? Bestimmt werfen Sie sich in Schale und machen wie aus dem Ei gepellt mit der oder dem Anvertrauten und dem Nachwuchs einen Osterspaziergang. Ins Tal, wo das Hoffnungsglück grünet. Und dann am Abend zufrieden jauchzet groß und klein: Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein! Und dann ab zum Oster-Eiertanz. Bekanntlich muss auf Eiern tanzen und mit Weibern umzugehen, gelernt werden sieben Jahr und einen Tag. Ein Tag, ein Jahr – die Zeit sagt die Eieruhr: Sie besteht aus einem Ei. Man nimmt das Ei und kocht es. Wenn es hart ist, sind fünf Minuten um. Dann weiß man, dass die Zeit vergangen ist. Ich werfe mich in keine Schale, sondern hab zu meiner Holden gesagt: O, Stern, lass uns in die Sonne düsen! Auf die Kanaren. Damit wir zu Ostern – nein, nicht an Ostern – auch Farbe kriegen: Sonnenbräune. Im Reisebüro wurde ich gefragt: Über welchen Flughafen möchten Sie denn fliegen: Frankfurt oder Köln? Wie, was: Über Frankfurt oder Köln? Weder noch, habe ich gesagt: Über Ostern!

Also, Männer, vergesst nicht: Behandelt Eure bessere Hälfte wie ein rohes Ei vor dem Bemalen! Den Eiermalern und auch sonst allen: Frohe Ostern und viel Spaß beim Eiersuchen. Wo auch immer. Jauchzen Sie schön dabei. 
Und überhaupt.