Potsdamer Riesengarde – Neue Mitglieder zum Jubiläum?

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke bei einem repräsentativen Auftritt mit der Potsdamer Riesengarde der Langen Kerls. Foto: privat

Die Langen Kerls feiern beim Stadtfest von Königs Wusterhausen mit und freuen sich über Nachwuchs

2020 feiert der Traditionsverein „Potsdamer Riesengarde, Lange Kerls“ seinen 30. Jahrestag. Aus diesem Anlass hält der Verein am ersten Septemberwochenende, 5./ 6. September, wieder ein historisches Feldlager in Königs Wusterhausen ab. Eine gute Gelegenheit, als Aktiver dabei zu sein – denn der Verein sucht im Jubiläumsjahr verstärkt neue Mitglieder aus Potsdam, Berlin und Umgebung, die sich für die Geschichte und die Potsdamer Riesengarde interessieren.

„Hätte ich vom Verein doch nur eher erfahren!“ – diesen Ausruf von Marco Matthies hört der Vorsitzende der „Potsdamer Riesengarde“ Dr. Gerd Köhler mit großer Freude. Matthies gehört wie Michael Diez zu den neuesten Mitgliedern. Er fand über das monatlich stattfindende, öffentliche Training im Krongut Bornstedt in Potsdam zu den Langen Kerls. „Nachdem ich es mir einige Male angesehen hatte, ging ich dann auf die Leute zu“, erzählt Michael Diez. Schließlich hätten ihm schon seine Großeltern das Thema Geschichte quasi in die Wiege gelegt.

Der 1990 gegründete Verein – dies geschah genau 250 Jahre nach Auflösung des Königsregiments Nr. 6 durch Friedrich II.– widmet sich der „Förderung und Pflege der Tradition der Potsdamer Riesengarde“ von Friedrich Wilhelm I. (1713-1740). Die Grenadiere sollten eine Mindestgröße von 6 preußischen Fuß haben. Das sind heutzutage etwas über 1,88 Meter, wobei die Durchschnittsgröße damals nur knapp über 1,60 Meter lag. Das Regiment war Palasttruppe und militärische Elitetruppe zugleich. Die Größe sollte nicht nur optisch der Repräsentation gegenüber Gästen dienen. Die Grenadiere sollten mit ihrer Größe und den längeren Armen besser längere Gewehre bedienen und laden können. Insofern hatten auch andere Herrscher spezielle Garden langer Soldaten. Allerdings erreichten diese nicht die Zahl der Langen Kerls. Zum Ende der Regierungszeit Friedrich Wilhelms I. zählte das Regiment über 3600 Mann. Die Soldaten kamen aus dem In- und Ausland und genossen im Vergleich zu den regulären Soldaten Privilegien. Der König hielt große Stücke auf seine Grenadiere und nannte sie auch liebevoll seine „blauen Kinder“.

Auftritte führen die Mitglieder des ehrenamtlichen Vereins durch ganz Deutschland, aber auch ins Ausland. So pflegt der Verein eine Partnerschaft mit einem Verein in Pianezza, Italien. Auch die Landesregierung Brandenburg umrahmt Präsentationen im Ausland gern mit den Langen Kerls. „Letztlich soll unser Verein ein lebendiges Museum sein“, berichtet Dr. Gerd Köhler. Das Exerzitium erfolgt nach dem originalen Exerzierreglement von 1726. Dafür will er geschichtsinteressierten Männer gewinnen, die die damalige Mindestgröße der Langen Kerls erreichen oder sogar übertreffen. Auch wenn die Größe heute nicht mehr so selten ist wie im 18. Jahrhundert, ist der Nachwuchs rar. Aber Marco Matthies und Michael Diez betonen, dass sie ein interessantes Hobby für sich entdeckt haben. Neben dem geschichtlichen und militärischen Interesse spielt Kameradschaft für sie eine wesentliche Rolle. „Ich traf auf einen Zusammenhalt unter Vereinsmitgliedern, den man heute schwer findet“, betont Marco Matthies. Er zeigt sich begeistert, wie offen die Kameraden auf ihn zugingen und fühlte sich schnell integriert. Auch Michael Diez lobt „das Zusammengehörigkeitsgefühl, die Geradlinigkeit, den Respekt der Kameraden untereinander. Tugenden die heute leider etwas verloren gegangen sind.“

Noch immer ist die historische Höchstmarke von 2,17 Meter des Iren James Kirkland nicht übertroffen. Der aktuell „Längste Kerl“ ist Fritz Kutschke aus Ludwigs­felde, dessen Personalausweis eine Körpergröße von stolzen 2,11 Meter vermeldet. Danach folgt schon der Vorsitzende Gerhard Köhler mit 2,10 Meter. Er nennt als weiteren Grund für sein Hobby mit einem Grinsen, „dass ich in der Freizeit mal nicht ausschließlich nach unten schauen muss“. Auch Marco Matthies findet einen ganzen Strauß reizvoller Aspekte an seiner Mitgliedschaft. Die Auftritte im In- und Ausland seien quasi Miniurlaube und der Verein bemühe sich um die Vereinbarkeit von Arbeits-, Familien- und Vereinsleben. Wer in den nächsten Wochen ebenso dazu stoßen will, kann im September beim historisches Feldlager am Schloss Königs Wusterhausen schon einen absoluten weiteren Vereinshöhepunkt mitgestalten. Dort wird der 30. Jahrestag der Langen Kerls als eines der Jubiläen des Königs Wusterhausener Jubiläumsjahres begangen. Nähere Informationen über den Verein finden sich auch auf der Internetseite www.lange-kerls.de. Für hoffentlich zahlreiche Interessenten hat der Verein ein eigenes E-Mail Postfach unter musterung@­lange-kerls.de eingerichtet.

RED