Radio hören wie vor 100 Jahren

Der Verein Sender KW e.V. lässt die Lichbogentechnologie zur Übertragung des legendären Postbeamten-Konzerts auf dem Funkerberg wieder aufleben

Erleichterung, Schulterklopfen, Begeisterung – in der letzten Woche erlebten die Mitglieder von Förderverein Sender Königs Wusterhausen e.V. und Jugendwerkstatt des Sender- und Funktechnikmuseums wahre Glücksmomente. Sie schafften es nach knapp vier Jahren Arbeit, einen von ihnen konstruierten und gebauten Lichtbogensender in Betrieb zu nehmen. Das Sensationelle an der hochkomplexen Maschine ist – es funktioniert genau nach der gleichen Technologie, mit der die Postbeamten der hier ansässigen Hauptfunkstelle am 22. Dezember 1920 um Punkt 14 Uhr live auf Sendung gingen und mit ihrem Weihnachtskonzert zum ersten Mal Musik und Sprache übertrugen.

Der Verein, dem es zu verdanken ist, dass das Konzert von 1920 mittlerweile als ­„Internationaler Meilenstein der Technikgeschichte“ geadelt und damit in die Hall of Fame der weltweiten bahnbrechenden Erfindungen aufgenommen wurde, feiert nun das 100jährige Jubiläum dieses denkwürdigen Datums mit einem attraktiven Jahresprogramm. Ein besonderer Traum war es, dabei auch die Technik von einst noch einmal aufleben zu lassen. Dem steht nun nichts mehr im Wege, so dass es am kommenden Sonntag bei einer nostalgischen Show auf dem Funkerberg heißen kann: „Radio hören wie vor 100 Jahren“!

Dabei wird die für den Laien so rätselhafte Apparatur aus runden und eckigen Behältern und Blechen, Spulen und Drähten, Stöpseln und Steckern, Reglern und Widerständen effektvoll präsentiert. Maik Schilling und Mark Endler – zwei junge Männer Anfang 30, die sich schon als Steppkes in der Jugendwerkstatt des Museums für die Technik und das Erbe des Funkerberges begeisterten und heute als spezialisierte Anlagenbauer und Konstruktionsmechaniker ihr Geld verdienen – führten bei der Generalprobe das hochkomplexe Konstrukt vor. Es war ganz still im Raum, in dem sich zahlreiche Funkerberg-Freunde versammelt hatten. Mit feierlichem Habitus schaltete der 32jährige Maik Schilling ein Handy an. Es spielte leise Swingmusik der goldenen Zwanziger des letzten Jahrhunderts. Er stöpselte es an das Höllengerät von Maschine. Der zweite Zeremonienmeister, der 31jährige Markus Endler, füllte ein paar Schlückchen Alkohol in die kleine stählerne Brennkammer des Senders. Er drückte einen metallenen Knopf, in der Kammer zündete ein Funke und der bewegliche Deckel hüpfte kurz zischend in die Höhe. Unter seiner gläsernen Scheibe konnten die Beobachter ein kreisendes Licht sehen und gleichzeitig dudelte in einem alten Radioempfänger auf der anderen Seite des Raumes die Musik vom Handy.

„Das ist ein wahres Meisterstück“, zeigte sich Vereinschef Rainer Suckow begeistert. „In den Jungs steckt der gleiche Pioniergeist wie bei den Leuten von damals.“ Gleichzeitig erinnerte er auch an den langjährigen, leider schon verstorbenen Mitstreiter Lutz Dunker, der einer der maßgeblichen Initiatoren des Versuchs war. Aber das zeige auch genau, was die Funkerberger bis heute ausmacht – alt und jung stehen zusammen in ihrer Liebe zum Radio, das für Fortschritt, Kreativität und die Verbindung von Menschen steht.

Diese Botschaften, die vom Berg seit einem Jahrhundert ausgehen, wird der Verein mit zahlreichen Partnern auf vielfältigste Weise in diesem besonderen Jahr weiter tragen. Am Sonntag kann zum Beispiel ab 14 Uhr erlebt werden, wie die Musik, die von der Schallplatte kommt, mittels des Lichtbogensenders tatsächlich auf einer gleichmäßigen Welle durch den Äther schwingt. Die Sprachmodulation erfolgt stilecht mit der Sprechkapsel eines Telefons. Dazu präsentieren die „Berliner Radiofreunde“ im Maschinensaal seltene und skurrile Empfänger. Wer ein altes Radio hat und wissen will, ob es noch zu retten ist, kann sich von den Radiobastlern beraten lassen. Alle Informationen zur Veranstaltung gibt es auch unter
www.100JahreRundfunk.de

TM