Rechtschreibmigranten

Migrations-Stänker-Sarrazin hat Unrecht, dass andere Kulturen bei uns nicht integriert sind! Zum Beispiel sind fremde Rechtschreibkulturen bei uns inzwischen voll und ganz heimisch. Fremde, also falsche. Völlig falsche. Zum Beispiel an Gymnasien. Mich verblüffen immer wieder Praktikanten aus dortigen 11. oder 12. Klassen, die bei uns im KaWe-Kurier ein Praktikum machen. Ich bin dann sprachlos – und das bin ich normalerweise selten – ,wie sie es schaffen, in einfachen kleinen Texten unsere schöne deutsche Sprache zu verhunzen und in einem einzigen Satz eine Handvoll Fehler unterzubringen. Aber auch in Behörden sitzen immer mehr Leute mit grammatikalischem Migrationshintergrund. Den demonstrieren sie zunehmend, indem sie zum Beispiel die Personalpronomen „sie“, „ihnen“  oder „ihren“ völlig sinnentstellend  benutzen. In der Anrede von Behördenschreiben schreiben sie diese Wörter meist klein. Doch es ist ein absoluter Falschschreib-Hit, dafür die Personalpronomen wie eine Anrede groß zu schreiben. So informierte mich dieser Tage in einer Pressemitteilung eine Presseverantwortliche einer Kommune, dass Künstler mit „Ihren“ Arbeiten das und jenes beabsichtigten. Frag ich zurück: Mit meinen? – Rückfrage von dort: Wieso mit Ihren? – Ich: Na, weil Sie mir das als Anrede mitteilen! – Verstand man dort nicht. Genau wie der Deutschlehrer(!) eines bekannten hiesigen Gymnasiums, der mir mitteilte, dass zu einer anstehenden Feier die „Eltern mit Ihren Kindern“ das und jenes tun könnten. Ich rufe ihn an: Was gehen andere Eltern meine Kindern an? – Er: „Ach, sind Ihre auch bei uns?“
So geht das fort. Da können die Bürger mit „Ihren“ Gästen feiern, da kommen die Lernanfänger mit „Ihrer“ Schultüte  zur Einschulung.
Ist das eine Ehrerbietung an den Alten Fritz? Bei ihm war es ja Usus, dass er immer „Er“ geschrieben wurde. Aber Er war ja auch ein Großer. Und unsere heutigen Großschreiber in Behörden und anderswo haben einfach bloß ihre großen Rechtschreibprobleme. Oder Ihre?
Oder wie mir gestern ein bunter Lokalpolitiker von hier schrieb: „Ich möchte sie dazu beglückwünschen, das sie mich darauf hinweisen. Ich habe leider eine Rechtsschreibschwäche.“
Ich nicht. Deshalb kann ich auch kein Politiker werden. Und überhaupt.

Ihr Mark Brandenburger

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