Schlaraffenland 
für Tier – und Mensch

Max, Leon und Charlie sind wieder zum Grasen nach Wildau gekommen. Die Wasserbüffel können am Besten als lebendige Rasenmäher die Feuchtwiesen an der Dahme pflegen und wieder beleben. Viele Zuschauer begrüßten die Tiere freudig bei ihrer Ankunft. Foto: M. Tadra

Die Wildauer Wasserbüffel gehen auf den Feuchtwiesen 
an der Dahme in ihre dritte Weidesaison

Fressen, chillen und gutes Tun – nach dem Gustus von Max, Leon und Charlie ist die Welt eben doch ein kleines Schlaraffenland. Und das bringen die drei Wasserbüffel nun wieder einen ganzen Sommer lang nach Wildau. Ja, zugegeben, auch im Garten Eden gab und gibt es immer mal Streit um manche süße Frucht. Und so dürfen die drei tierischen Landschaftspfleger derzeit auch nicht auf dem gesamten acht Hektar großen Areal der Feuchtwiesen an der Dahme ihr nützliches Handwerk verrichten. Aber dass die Wildauer die exotischen Gesandten, die nun schon in der dritten Saison die Pflege des Naturschutzgebietes übernommen haben, mögen und willkommen heißen, zeigte sich bei deren Ankunft. Viele Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene waren in der vergangenen Woche dabei, als sich die Tafelgäste zu den reich gedeckten Tischen im weiten Areal gleich hinter den Schwartzkopff-Villen auf den Weg machten.

Die Wasserbüffel, die täglich zwischen 40 und 60 Kilo frisches Futter fressen, dienen auf eine natürliche Art als Rasenmäher. Gleich hinter dem Wildauer Marktplatz konnte man es auf den daran angrenzenden Koppeln sehen, wie die Tiere im hochgewachsenen Schilf verschwanden. „Sie trampeln es zu Boden, sie fressen es, sie sorgen einfach dafür, dass die Flächen wieder frei von hohem Bewuchs werden“, erklärt Büffelhalter Michael Kurz von der Storkower Burgbüffel GbR, der die Tiere gehören. Außerdem würden sie mit ihren Hufen den filzigen Boden wieder auflockern, so dass insgesamt Licht und Sonne besser ihr Tagwerk verrichten können. „Das ist die Voraussetzung dafür, dass sich wieder ein artenreiches Grünland mit einer Vielfalt an Pflanzen, Amphibien und Insekten etablieren kann“, so der gelernte Forstwirt, der mit seinem Partner Jan Peter Vogel, einem Storkower Biohof-Betreiber, vor knapp zehn Jahren auf die Idee mit den tierischen Landschaftspflegern kam.

Denn Brandenburg hat eine Vielzahl dieser Biotop-Flächen, die aber bedroht sind, weil sie nicht ausreichend bewirtschaftet werden. Die schwere Technik von heute ist für den feuchten Grund oft nicht geeignet, andere Tiere wie Schafe oder herkömmlich Kühe mögen auch keine nassen Klauen. Die Wasserbüffel aber, die es übrigens auch in Europa als natürliche Vorkommen in Italien und auf dem Balkan gibt, sind in ihrem Element. Ihr Service wird zunehmend gern genutzt. Das zeigt sich daran, dass die Storkower Herde von ursprünglich einer Handvoll Tiere auf 40 angewachsen ist. Ihre Grundaufgabe ist und bleibt die Landschaftspflege, den ganzen Sommer über sind sie auf den Brandenburger Feuchtwiesen unterwegs, im Winter haben sie rund um Storkow ihre Unterstände. „Um die Herde aber auch vernünftig regulieren und artgerecht halten zu können, sind wir mittlerweile auch in die Fleischproduktion eingestiegen“, sagt Jan Peter Vogel.

Die drei Jungbullen Max, Leon und Cahrlie werden aber noch ein paar glückliche Sommer im Dienste von Natur und Mensch unter der Brandenburger Sonne verbringen. „Wir sind sehr froh, dass wir sie wieder bei uns haben“, sagt Silke Joksch von der Wildauer Stadtverwaltung, die in der Bauabteilung für den Bereich Umwelt und Naturschutz zuständig ist. „Die vergangenen beiden Jahre haben für die Wiesen schon nachweisbar etwas gebracht.“ Von Anfang wird die „Arbeit“ der Büffel von einem wissenschaftlichen Monitoring eines Biologen begleitet. Es weist nach, dass der Wildwuchs des Schilfes auf den Flächen schon erheblich zurückgedrängt, dass Pflanzen wie Sumpfthymian oder verschiedene Hahnenfußgewächse wieder zurückgekehrt sind. „Wir hoffen auch, dass sich Orchideenarten wie zum Beispiel das Knabenkraut wieder zeigen. Dieser Nachweis fehlt aber noch“, so Silke Joksch.

Auch für Schulklassen aus Wildau und Eichwalde sind die massigen Tiere vor der Haustür übrigens eine Motivation, anhand verschiedener Projektarbeiten etwas intensiver zu büffeln und den natürlichen Kreisläufen zwischen Fauna und Flora auf den Grund zu gehen. Und für die Kinder der benachbarten Kita am Markt gehört ein Ausflug entlang der gut gesicherten Weidenzäune nun wieder zum selbstverständlichen Wochenprogramm. Nicht immer werden sie oder auch die anderen Wildauer Büffelgucker Glück haben, die zotteligen Gäste zu Gesicht zu bekommen. Aber dann dürfen sie sich immerhin damit trösten, dass sie irgendwo da draußen zwischen Stadtrand und Flussufer auf ruhige, stoische Art und Weise gerade die Welt ein bisschen heiler machen.

TM