Schnell vergessen

Ange(Mark)t

Nun wissen wir, wo es langgeht. Mit den Flugrouten. Und nun ist klar: Der Krach geht weiter. Der von den Fliegern und der der vom Lärm Betroffenen. Wer in der Nähe des Airports wohnt, ist vom Schicksal geschlagen. Nicht immer helfen bei Volldröhnung Schallschutz, Watte in den Ohren oder Stahlnerven. Letztere liegen bei vielen blank. Denn die Betroffenen interessieren nicht entstehende Arbeitsplätze und Wirtschaftsaufschwung – sie wollen nur eins: ihre Ruhe. Der Bürgerprotest gegen die Routenlegung ist da verständlich. Doch wie die legen? Am meisten empört, dass die Bürger jahrelang von den Regierungen in Berlin und Brandenburg über die Routen getäuscht wurden. Wowereit und Platzeck haben bei den Flugrouten ein Erinnerungsloch größer als das in der Stratosphäre. Dass die Flugzeuge über bewohntes Gebiet starten werden, das haben sie nicht gewusst. Nee, wirklich nicht. Die direkt vom Fluglärm Betroffenen fühlen sich im Glauben an die Rechtsstaatlichkeit verarscht. Und noch mehr, wenn Wowereit ihnen dann sagt, dass mit der Flugroutendiskussion “jetzt mal Ruhe einkehren müsse”. Und auf Bundesverkehrs-Ramsauers Versprechen nach späteren Änderungen zu hoffen, ist ungefähr das gleiche wie zu glauben, aus Schnorrer-Wulff würde wieder ein geachteter Bundespräsident oder die FDP ein Wählerliebling.
Doch letztlich: Wo auch immer – es trifft immer irgendjemanden. Würden die Bewohner der Region um Sperenberg vor Jubel brüllen, wenn sie den Airport bekommen hätten?! Die Ruhe für die einen wird mit dem Lärm der anderen erkauft. Machen wir uns deshalb auch nichts vor: Der Protest gegen den Fluglärm geht nicht gegen diesen als solchen, sondern allein gegen den über den eigenen Köpfen. Zeuthen, Eichwalde, Schulzendorf und ihre Bürgermeister, die zuvor absonderliche Vorschlagspirouetten gedreht haben, lehnen sich jetzt einigermaßen zufrieden zurück. Ebenso die Protestler von den Gosener Wiesen: Sie sind ja nicht so schlimm betroffen. So war das aber immer: Über den eigenen Tellerrand zu schauen war nicht. Mir erzählte mal ein Bürgermeister einer dieser Gemeinden, ein lautstarker Gegner des Flughafens als solchem, dass er in den Urlaub geflogen sei. Von Schönefeld, fragte ich ihn. Neee, nicht doch! Von Tegel! Genau das ist das Prinzip: Vorteile ja, aber den Preis sollen die anderen zahlen. Der Nachbar, der andere Ort. Hauptsache, ich habe meine Ruhe. Genauso heuchlerisch ist das Gemotze der Landes-CDU-Chefin gegen Schönefeld und das voll illusorische Getute nach einem Flugplatz in Sperenberg. Wer hat denn verhindert, dass der Airport nicht in Sperenberg gebaut wurde?! Lesen sie mal den nebenstehenden Beitrag “Hart im Nehmen”.
Und: Will mir einer von den Protestlern erzählen, er fahre ab Juni mit dem Fahrrad nach Mallorca in den Urlaub? Beim Abflug – “guck mal, da unten ist unser Haus!” – ist aller Protest schnell vergessen.
Na, und überhaupt.

Mark Brandenburger

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