Sich einbringen

Mein Kumpel Wolfgang ist ein Macho. Der erzählt Dinger, die ich ja niemals sagen würde. Geschweige denn denken. Also Sachen wie, dass er Frauenbewegungen gut findet – wenn Sie rhythmisch sind. Also, wie gesagt, so was würde ich nie kundtun. Gestern nun erzähl ich ihm, dass wir in KW auch eine Frauenbewegung haben: die Unabhängige Frauenliste. Also Frauen, die mit Männern nichts am Hut haben, jedenfalls politisch? fragt er. – So kannste das nicht sehen, sag ich. Das sind welche, die sich einmischen wollen. Wat denn, in deine Belange als Mann so wie die Alice? – Nee, in die Lokalpolitik. – Lokal-Politik? fragt mein Kumpel, haben die denn auch einen Stammtisch? Haben sie, sag ich, sogar einen  Frauenstammtisch.  Und was bereden die da? will er wissen. – Na zum Beispiel, wie die Finanzmittel der Stadt „geschlechterbezogen verteilt werden“ sollen. Und wie sie sich einmischen wollen. – Und wie machen die das? will mein Kumpel wissen. Na, indem sie sich ins Stadtparlament haben wählen lassen. – Und was tun sie da? interessiert sich mein Kumpel? Na, sich eben „e-i-n-b-r-i-n-g-e-n“ buchstabiere ich. Sagen sie. – Und tun sie das? fragt er. Mit ganzem Einsatz?,  fragt er. –  Tun sie, sag ich. Tun überall ihre Meinung kund und zur Wahl der Stadtverordnetenversammlung zog letztes Jahr. Vorsitzende der KWer Frauenliste sogar ihr Mandat als stellvertretende Vorsitzende  der Stadtverordnetenversammlung mit vollem Einsatz zurück. – Klassischer Interruptus, findet mein Kumpel, wat wollt sie denn verhüten? Dass ein Mann zum Vorsteher gewählt wird und weil die Frauenquote nicht berücksichtigt sei, sag ich. – Und nun? – Schmollt sie, mein ich. – Wie nun? – Indem sie am kommenden Montag wegen des Frauen-Tags an der Stadtverordnetensitzung nicht teilnimmt. – Ist die denn wichtig? – Na, es geht immerhin um den Haushalt der Stadt, erklär ich ihm. Und dass die Frau ein politisches Wahlmandat hat und die WählerInnen von ihr erwarten können, dass sie es auch ausübt. – Det musste verstehen, erinnert sich mein Kumpel an frühere Jahre und an die da so herrlich angeschickerten Frauen im Betrieb: 8. März! Wat waren das für Feiern! An so einen Tag kann so eine Frau nicht gewählte VolksvertreterIn sein, da muss sie ganz woanders kämpfen. An vorderster Front in der Frauenbewegung! Für Gleichberechtigung und dass zum Beispiel die Frauen auch ihren Platz in Parlamenten haben und ausfüllen können. Und so. Nun weißte, wat Frauenbewegung heisst, sagt mein Freund. Und erklärt mir noch, wie Frauenbewegungen sein sollen…Na, Sie wissen schon.
Hast Recht, sag ich. Jedenfalls nicht nur auf sich selbst bedacht.
Und überhaupt.

Mark Brandenburger

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