Sieger, Verlierer und Pirouetten

Am kommenden Samstag wird es „den“ Boxkampf  der letzten Jahre geben: Wladimir Klitschko kämpft im Schwergewicht um den WM-Titel gegen David Haye. Dem vorausgegangen sind wilde Schimpftiraden des Engländers gegen den Ukrainer. Es wird nur einen Sieger geben.
Am kommenden Montag wird es „die“ Entscheidung der letzten Jahre beim Bau des neuen Flughafens in Schönefeld geben: Die Flugsicherung schlägt ihre Routen für die An- und Abflüge vor. Dem vorausgegangen sind wilde Proteste gegen den Bau und vor allem gegen die bekannt gewordenen Routenvorschläge. Es wird nur einen Sieger geben. Das Flugwesen, das sich entwickelt. Und das ist mit Lärm verbunden. Ohne gehts nicht, das ist klar.
Es wird deshalb Verlierer geben: Orte, die künftig vom Lärm betroffen sein werden. Und es wird Sieger geben: Orte, die mal auf den Routenlisten standen und nun umflogen werden.
Die Flugsicherung hat dafür gesorgt, dass aus Gewinnern plötzlich Verlierer wurden und umgekehrt. Und danach auch wieder umgekehrt. Immer neue Varianten wurden ins Spiel gebracht. Bundesverkehrsminister Ramsauer ließ die Flugsicherung machen wie sie grad wollte und mischte sich nicht ein. Frei nach dem Motto: Wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte. Und gestritten wurde nicht zu wenig. In der Fluglärmkommission vereint durch die vertretenden Gemeinden – aber bald auch untereinander. Einige Bürgermeister geben sich deshalb heute nicht mal mehr die Hand. Das Schlimme, dass einige von ihnen den Blick für die Region verloren haben, weil der nur noch bis an den eigenen Ortsrand reicht. Sie haben in den letzten Wochen egoistisch um Lösungen gestritten, die ihrem eigenen Örtchen zum Vorteil, aber dem viel größeren Ort mit dem Mehrfachen an Anwohnern zum Nachteil gereichten. Eichwalde, Zeuthen offenbarten derartige kurzsichtige und einäugige Blicke gegenüber Nachbarn wie KW. In der Fluglärmkommission sprach man bald von „Burgschweiger-Pirouetten“, angesichts der Drehungen und Wendungen und der Unterstützung für derartige Flüge.
Das ist bedauerlich. Was wäre gewesen, hätten alle betroffenen Gemeinden in der Fluglärmkommission wie ein Mann deren Vorschlags-Wirrwarr gegenüber gestanden und gemeinsam gegen neue Flugrouten und die zu erwartenden Belastungen protestiert, gemeinsam auf der Umsetzung der im Planfeststellungsbeschluss festgelegten Routen und damit auf Einhaltung des Vertrauensschutzes bestanden? Wohl bemerkt: gemeinsam! Dann hätte die wohl nachgeben müssen und bei den ursprünglichen, für die allermeisten Gemeinden verträglichen Lösungen bleiben müssen. Der KWer Bürgermeister und die amtierende Wildauer Bürgermeisterin haben in einem gemeinsamen scharfen Brief an Ministerpräsident Platzeck und die Fluglärmkommission das eingefordert. Zeuthen, Eichwalde, Schulzendorf sahen nur sich.
Ein Finger ist schwach, eine Faust ist stark. Vielleicht hätten Mitglieder der Lärmkommission mal mit dieser Faust auf den Tisch der Wirrwarr-Befürwortergemeinden hauen sollen. Statt sich heute nicht mehr die Hand zu geben.
Und überhaupt.

Mark Brandenburger

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here

*

Willkommen auf kw-kurier.de!

Um Ihnen ein angenehmes Online-Erlebnis zu ermöglichen, setzen wir auf unserer Webseite Cookies ein. Durch das Weitersurfen auf kw-kurier.de erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Detaillierte Informationen und wie Sie der Verwendung von Cookies jederzeit widersprechen können, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen „Cookies, Webanalyse-Dienste und Social Media“.