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Sorry, am Montag fällt der Bus aus

Die Regionale Verkehrsgesellschaft RVS muss wegen Fahrermangels Busse im Depot stehen lassen

Mindestens vier Busse fielen am Montag Morgen im Nordbereich des Liniennetzes der Regionalen Verkehrsgesellschaft Dahme-Spreewald (RVS) aus. Fahrzeuge, die die Linien zwischen Königs Wusterhausen und Schönefeld sowie Groß Köris und Bestensee bedienen, blieben im Depot. Und zwar – zugegeben, das klingt beim ersten Hinhören etwas abstrus – planmäßig. Schon am Freitag vor dem Wochenende informierte die RVS in einer Pressemitteilung darüber: „Wegen akuter Personalengpässe müssen am kommenden Montag leider einige Dienste komplett ausfallen. Wir bitten die Fahrgäste, alternative Verbindungen zu wählen und die sich daraus ergebenden Fahrzeitverlängerungen einzuplanen. Genaue Informationen zu den einzelnen Fahrtausfällen finden die Nutzer auf unserer Webseite, in der online-Fahrplanauskunft sowie als Mail (für Linienabonnenten).“

Die Zeilen lesen sich wie ein lautes Alarmzeichen. Und ein solches sind sie auch. „Wir bedauern sehr, dass es dazu kommen muss“, sagt der RVS-Betriebshofleiter von Mittenwalde und Marketingchef des Unternehmens Lutz Strohschein. „Uns fehlen mindestens 20 Fahrer.“ Der KaWe-Kurier erwischte den Verwaltungschef nicht etwa im Büro bei der Planung der Betriebsabläufe, sondern auf dem Busbahnhof in Schönefeld, kurz bevor er selber auf den Bock der Linie 736 stieg. „Wir machen, was wir können“, sagt er, „wir haben allein im Nordbereich ein halbes Dutzend Reservefahrer aus der Verwaltung und der Werkstatt mit an Bord, die bei kurzfristigen Ausfällen einspringen. Aber inzwischen sind die aufgrund von zusätzlichen Diensten und Krankheit der Fahrer auch schon komplett verplant.“

Es ist dem Betrieb hoch anzurechnen, dass er im Vorfeld der absehbaren Ausfälle öffentlich darüber informiert, damit sich die Fahrgäste doch noch irgendwie darauf einstellen können. Und doch zeigt der Vorgang, dass der viel beschworene Ausbau des öffentlichen Personen-Nahverkehrs im Moment vor allem an personelle Grenzen stößt. Die RVS hat entsprechend des Nahverkehrsplanes des Landkreises für den Zeitraum von 2015 bis 2020 ihr Angebot weiter ausgebaut. Das Schenkenländchen wurde wesentlich besser erschlossen. Zwischen den Bahnhöfen Groß Köris und Bestensee verkehren stündlich Busse. Gerade wurde eine zusätzliche Abendverbindung nach Senzig und Bindow geschaffen. Auch nach Schönefeld ist der Takt in Richtung Bahnhof und Flughafen verdichtet worden. Gern würde die RVS auch eine regelmäßige, stündliche Verbindung nach Mittenwalde und Ragow einrichten. Und schließlich stehen mit Blick auf die Eröffnung des Flughafens BER noch weitere, gewaltige Herausforderungen ins Haus.

„Das alles bindet Manpower“, sagt Lutz Strohschein, „wir haben mittlerweile 170 Busfahrer im Norden und im Süden beschäftigt und würden sofort weitere einstellen.“ Dabei setzt das Unternehmen sowohl auf Quereinsteiger als auch auf die eigene Ausbildung. „Obwohl wir auf allen Job- und Ausbildungsmessen der Region vertreten und viel in der Region unterwegs sind, haben wir für das neue Lehrjahr lediglich einen Kollegen gewinnen können“, so der Betriebshofchef. Um die Attraktivität eines Jobs als RVS-Busfahrer weiter zu erhöhen, bessert das Unternehmen das monatliche tarifliche Bruttogehalt von rund 2100 Euro durch verschiedene Prämien auf, mit denen die Kollegen weitere rund 300 Euro hinzuverdienen können. Immerhin wird gerade im Nordbereich ein neuer Mitarbeiter als Seiteneinsteiger auf den verantwortungsvollen Job hinterm Steuer vorbereitet. Gleiches gilt für weitere Kollegen aus der eigenen Verwaltung und Werkstatt. Aber das sei nicht unendlich fortzuführen, so Lutz Strohschein, weil ja dort auch die Arbeit nicht liegen bleiben kann.

Den Vorschlag, dass auch Mitarbeiter von kreislichen, städtischen oder kommunalen Behörden mit einer Zusatzausbildung als Busfahrer mit ins Boot geholt werden, findet er gar nicht so abwegig. „Wir machen das doch für die Leute im Interesse der Kommunen“, gibt er zu Bedenken. In der Königs Wusterhausener Verwaltung stießen solche Gedanken allerdings prompt auf vehemente Ablehnung. „Als kreiseigenes Busunternehmen leistet die Regionale Verkehrsgesellschaft gute Arbeit“, sagte dazu Bürgermeister Swenn Ennullat. „Natürlich wünschen auch wir uns weitere Verbesserungen wie beispielsweise eine Erhöhung der Taktfrequenzen in den Ortsteilen oder Gewerbegebieten. Die Karte jetzt zu den Kommunen zurück spielen zu wollen, ist Unfug.“ Niemand sitze tatenlos im Rathaus und warte darauf, dass mal etwas passiert. „Maßnahmen, die die Attraktivität der RVS als Arbeitgeber stärken, haben natürlich unsere vollste Unterstützung. Die Personalgewinnung obliegt aber dem Unternehmen selbst“, erklärte der Königs Wusterhausener Verwaltungschef.

Lutz Strohschein wiegt den Kopf. Er versichert, dass der Betrieb alle Hebel in Bewegung setzt und weiter um verantwortungsvollen und zuverlässigen Kraftfahrernachwuchs werben wird. Mehr Zeit zum Reden hat er jetzt nicht mehr. Er muss den 736er pünktlich starten und sicher zurück nach Königs Wusterhausen bringen.

TM

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