Spanisches

Früher hieß es immer, von der Sowjetunion lernen, heißt siegen lernen. Nun gut, war ein Irrtum.
Aber man könnte ja von anderen siegen lernen.Von Spanien zum Beispiel. Nicht unbedingt in der Wirtschaft und in der Finanzwirtschaft – da kommt einem manches spanisch vor oder vielmehr griechisch. Aber beim Fußball heißt es in der Tat siegen lernen. Der Gedanke kam mir, als ich jetzt im Juli als einziger Deutscher unter närrischen spanischen Fans erlebte, wie die iberischen „Roten“ die jungen deutschen Spieler alt aussehen ließen.
Und dann kamen mir dort am Atlantik in Andalusien noch ein paar andere Gedanken. Was zum Beispiel hat das Meer mit unserer Autobahn A 10 zu tun?  Beide rauschen. Das Meer mal mehr, mal weniger, die Autobahn zwischen Niederlehme und Dreieck Spreeau immer mehr. Und just wie es der Zufall so will, traf ich dort am Ozean Brandenburgs Verkehrsminister Vogelsänger. Eigentlich wollten wir nicht über daheim reden, aber dann kamen wir doch aufs Rauschen.Zum Beispiel das auf der A 10. Ich fand die tägliche Zahl der Rausch-Verursacher dort erschreckend hoch. Der Verkehrsminister zweifelte an  den von KW vorgelegten Zahlen. Die kämen ihm spanisch vor. Er meinte, dass dem keine tatsächliche Zählung, sondern eine Hoch-Rechnung zugrunde läge. Wie auch immer, es rauscht. Und zwar gewaltig. Der Minister versprach immerhin eine Überprüfung, wenn auch noch keine Lärmschutzwände. Schade, dass keine Wahlen im Lande anstehen…
Wobei sich manche der Wahlversprechen dann ja auch als Wahlversprecher herausstellen. So wie die Politiker versprochen hatten, dass mit der Grenzöffnung nach Polen kein Kriminalitätsanstieg einhergehen werde. Jetzt haben wir einen solchen – und Innenminister Speer will der Polizei trotzdem mehr als harte Einschnitte verordnen. Die jetzt rund 9000 Polizeistellen will er um fast 2000 abbauen und von den 50 Wachen sollen nur noch 15 übrig bleiben. Eine Gefahr für die Sicherheit der Bürger sieht Speer nicht. Vielleicht versperren ihm seine eigenen Personenschützer den Blick darauf. Ganz anders in Spanien. Dort hat man in die Polizei investiert und auch am Strand schauen immer mal wieder Uniformierte vorbei, ob alles sicher ist.
Vielleicht sollte man Brandenburgs Innenminister mal zum Lernen nach Spanien schicken?
In Spanien wird auch nicht gerast, auch auf den Autobahnen nicht – und wenn, dann greift die Polizei durch. In KW tut sie das ja auch manchmal, aber manche Ecke scheint für sie Neuland zu sein. Wie die Zeesener Seestraße. Eine 30er Straße ohne Fußweg, vielen Schulkindern – und vielen Rasern. Die einstigen Geschwindigkeitsbegrenzungsschwellen ließ der Ortsbeirat aus Rücksicht auf die Stoßdämpfer der Autofahrer wieder abbauen. Wer nimmt auf die Knochen und die Gesundheit der Kinder, der Fußgänger und Radfahrer Rücksicht? Ein Ortsbeiratsmitglied sagte mir, er sähe keine Gefahr. Er muss nicht dort lang.
Das alles kommt mir mehr als spanisch vor: Wie blind muss man sein, so arrogant Bürgerunpolitik zu machen?
Und überhaupt.

Mark Brandenburger

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