„Steinreicher“ Landkreis

LDS ist Landkreis mit den höchsten Steuereinnahmen in Ostdeutschland

Bei Golßen in unserem Landkreis gibt es eine Gemeinde namens Steinreich. In Brandenburg nannte man Orte mit schlechtem Acker, aber vielen Steinen steinreich. Jetzt könnte man den LDS auch in Steinreich umbenennen. Denn der Landkreis bekommt eine Menge „Schotter“, also Steuergelder. LDS – Landkreis der Steuereinnahmen.

Mit 2343 Euro Steuereinnahmen pro Einwohner ist Dahme-Spreewald laut einer jetzt veröffentlichten Studie der Bertelsmann-Stiftung an der Spitze in Brandenburg. LDS ist damit der steuerstärkste Kreis Ostdeutschlands. Bundesweit steht der Landkreis hier auf dem fünften Platz. Der zweitbeste ostdeutsche Kreis folgt erst auf Platz 95. Bei den Steuereinnahmen der Kommunen lag Brandenburg 2017 unter den ostdeutschen Ländern mit 910 Euro pro Einwohner mit vorn und bundesweit auf Platz neun.

Seit 2012 haben sich die Steuereinnahmen im LDS verdoppelt. Damals waren die Steuereinnahmen der Kommunen noch bescheiden. Sie lagen zwischen 510 Euro pro Kopf in Frankfurt (Oder) und 1083 Euro in Dahme-Spreewald. Der Landkreis profitiert inzwischen bzw. schon jetzt von den Wirtschaftsansiedlungen, dem Wirtschaftswachstum und den Gewerbesteuereinnahmen rund um den noch nicht eröffneten BER. Auf mehr als 1000 Euro jährlich pro Kopf kommen außer Dahme-Spreewald noch die Kreise Teltow-Fläming (1357) und Oberhavel (1163) sowie die Landeshauptstadt Potsdam (1090 Euro). Ganz hinten rangiert landesweit der Elbe-Elster-Kreis mit 653 Euro Steuereinnahmen pro Einwohner, das ist bundesweit der achtletzte Platz. Die Landkreise mit den zehn schwächsten Steuereinnahmen befinden sich alle im Osten. Die bundesweit stärkste Kommune, der Landkreis München, nimmt pro Einwohner siebenmal so viel Steuern ein wie die schwächste, der Kreis Mansfeld/Südharz, in Sachsen-Anhalt.

Infolge der hohen Steuereinnahmen brauchten die Kommunen in Brandenburg zuletzt weniger Kassenkredite. Diese gelten als Krisenindikator. Nur die Städte Cottbus, Brandenburg an der Havel und Frankfurt (Oder) liegen weiter auf problematischem Niveau. Allein Cottbus beanspruchte 2017 ein Drittel des landesweiten Kreditvolumens. Die Stadt stand 2017 mit 2609 Euro notwendiger Liquiditätskredite pro Einwohner auf dem ersten Platz im Land, während die Hauptstadt Potsdam und der Landkreis Oberhavel seit Jahren keine finanziellen Altlasten haben. Weitere acht der 14 Landkreise sind mit weniger als 100 Euro je Einwohner sehr gering belastet: Dahme-Spreewald, Barnim, Märkisch-Oderland, Elbe-Elster, Havelland, Potsdam-Mittelmark, Uckermark und Prignitz.

Die Landesregierung sieht die verbesserte Finanzlage vor allem als Folge der guten Konjunktur. Es ist jedoch ersichtlich, dass nicht alle Kommunen im gleichen Maße von der guten Konjunktur und steigenden Steuereinnahmen profitieren. Damit sich die Situation verbessert – und weil Wahlen anstehen?- , will die Landesregierung die Kommunen stärker an den Landeseinnahmen beteiligen. Der Anteil steigt in diesem Jahr von 20 auf 21 Prozent und im nächsten auf 22 Prozent.

Der reichste Ort nicht nur im LDS, sondern in Brandenburg ist Schönefeld. 13 Milliarden Euro wurden hier seit dem Mauerfall investiert. Die Schönefelder Einwohnerzahl verdreifachte sich auf inzwischen über 16000, 2035 rechnet man sogar mit 45000 Menschen. Die Arbeitsplätze haben sich auf 17000 vervierfacht und es gibt heute 13-mal so viele Firmen wie 1990, nämlich 2600. Von den 130 Millionen Euro Steuern im letzten Jahr blieben Schönefeld nach Abgaben für die Gemeinde noch 40 Millionen Euro.

Bedeutet „steinreich“ zu sein, auch gut zu leben? In einer aktuellen Studie, die der Sender ZDF in Auftrag gab, wurde jetzt untersucht, wo es sich am besten lebt. Die Studie hat die Lebensumstände in Deutschland in 401 Landkreisen und kreisfreien Städten analysiert. Auch der Landkreis Dahme-Spreewald war dabei. Er belegt im deutschlandweiten Vergleich einen Platz im Mittelfeld: Rang 107 von 401. Insgesamt erreichte Dahme-Spreewald 177 von 300 möglichen Punkten und Platz 45 bei den 201 ländlichen Regionen. In Brandenburg steht der Landkreis damit auf Rang 2 hinter Potsdam, das mit 203 Punkten Gesamtrang 4 erreichte. Am besten schnitt auch hier München mit 207 von 300 Punkten ab. Auf dem letzten Platz der Studie landete Gelsenkirchen mit 109 von 300 Punkten.

Beim Punkt Arbeiten und Wohnen belegt LDS den Platz176 von 401 Kreisen und kreisfreien Städten mit 60,0 von maximal 100 Punkten, bei Freizeit & Natur Platzt 39 mit 65,1 von maximal 100 Punkten, bei Gesundheit & Sicherheit allerdings mit 51,5 von 100 möglichen Punkten nur Platz 307 von 401.

Was nicht neu ist: Geld allein ist nicht alles.

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