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Stich in die Wildauer Seifenblase

Stadtversammlung von Wildau streicht dem beliebten Familienladen „Seifenblase“ die regelmäßige Föderung / Betreiber stehen vor ungewisser Zukunft

Es ist immer wieder faszinierend, wie Kinder beim lustigen Tanz von Seifenblasen glückselig ihre Pirouetten drehen und mit ihrer Freude alle drumherum anstecken. Wenn man den Dreh raus hat, dann braucht es nur ein bisschen Wasser und ein bisschen Seife, um Fröhlichkeit und Magie in den alltäglichen Lauf der Dinge zu bringen. Es kann so einfach sein.

In Wildau gibt es mit dem Familienladen „Seifenblase“ ein ganz beonderes Exemplar. Die Ehrenamtlichen, die den sozialen Treffpunkt betreiben, haben den Dreh raus, wie man eine solche Perle zum Schillern und Glitzern bringt. Und die Stadt Wildau kostet es jährlich gerade mal knapp 6000 Euro, damit ein solch an sich ja recht fragiles Gebilde stabil seinen Zauber verbreiten kann. Regelmäßig treffen sich dort – wenn Corona nicht wäre – bis zu 100 Leute pro Woche im Eltern-Kind-Café, in Sport-, Yoga- und Krabbelgruppen, bei Kreativangeboten und Zirkuswochenenden. Dazu kommen Puppentheater und Lesungen, Kinderpartys, Themenabende und vieles mehr. Getrennte Eltern können dort in angenehmer Atmosphäre Zeit mit ihren Kindern verbringen. Um all das auch professionell unter einen Hut zu bringen, gibt es eine Ehrenamtskoordinatorin, die für acht Stunden pro Woche vom Trägerverein KJV bezahlt wird. Das Geld dafür kommt seit fünf Jahren anteilig von der Stadt Wildau und vom Landkreis Dahme-Spreewald.

Nun aber droht diese mit viel Hingabe ausgeformte und sorgsam gehegte Perle zu zerplatzen. Denn die jüngste Stadtverordnetenversammlung von Wildau hat mit den Stimmen der SPD- und CDU/FDP-Fraktionen entgegen vieler Interventionen aus der Bevölkerung und auch gegen die Stimmen von Linken und BfW/Grüne beschlossen, zum 1. März dieses Jahres dem Laden die regelmäßig gewährte Förderung von eben diesen knapp 6000 Euro zu entziehen. Ursprünglich sah der vorgelegte Beschluss sogar vor, dem Trägerverein die Mittel rückwirkend zum 1. Januar dieses Jahres zu streichen. Begründet wurde dies damit, dass mit dem Wildauer Fördergeld Personalkosten finanziert würden, was laut Vereins-Förderrichtlinie der Stadt nicht statthaft sei.

Aufgrund vieler Proteste in der Öffentlichkeit – lesen Sie dazu auch den untenstehenden Beitrag über das engagierte Auftreten der ehemaligen Eiskunstlauf-Weltmeisterin Christine Stüber-Errath – wurde die rückwirkende Streichung noch verworfen und obendrein ein monatlicher Zuschuss von 400 Euro bis Juni dieses Jahres beschlossen. So solle dem Projekt Seifenblase „die Möglichkeit eröffnet werden, eine anderweitige Finanzierung der Ehrenamtsarbeit zu organisieren“, wie es in dem Bechluss heißt. Darin wird weiter blumig formuliert: „Gerade in Zeiten der für alle ­Bürgerinnen und Bürger ­schweren Beeinträchtigungen im Zuge der Pandemiebewältigung soll hiermit ein Zeichen gegenüber all denjenigen erbracht werden, die durch großes nachbarschaftliches und ehrenamtliches Engagement für die sozialen Belange der Wildauer Stadt Community einstehen.“

Solch salbungsvolle Worte klingen für viele Unterstützer des Ladens wie Hohn angesichts der Tatsache, dass der „Seifenblase“ zuvor ein Stich in die empfindliche Hülle versetzt wurde. „Die Seifenblase braucht keine Almosen, sondern eine verlässliche finanzielle Grundlage“, sagt der Vorsitzende der Linken-Fraktion in der Wildauer SVV Heinz Hillebrand. Auch die Ladenbetreiber sind über den veränderten Inhalt des Beschlusses keineswegs glücklich oder gar erleichtert. „Das ist keine Art, mit einem etablierten und gut angenommenen sozialen Angebot umzugehen“, sagt der Geschäftsführer des Vereins KJV Frank Vulpius, der selbst für die Grünen in der SVV sitzt. „Zumal überhaupt nicht berücksichtigt ist, was nun aus der Kofinanzierung des Ladens durch den Landkreis wird.“ Bislang haben Kreis und Stadt die Förderung je zur Hälfte übernommen. So war es unter dem vorherigen Wildauer Bürgermesiter Uwe Malich vereinbart und auch von der SVV beschlossen worden. „Wir haben mehrfach darauf hingewiesen, dass die Zuwendungen der Stadt Voraussetzung für die Förderung des Landkreises sind“, sagt Frank Vulpius. „Wir wissen nicht, ob der Kreis nun seinerseits seine Unterstützung aufrecht erhalten kann.“ Aber man werde weiter für den Erhalt des Ladens kämpfen

Der Familienladen „Seifenblase“ ist eine ehrenamtliche Initiative, die ursprünglich von Eltern ausging, die selbst organisiert soziale Angebote für Menschen jedweden Alters entwickelten. Unter anderem entstanden so auch das in Wildau sehr beliebte Repair-Café, der Computerclub oder die Marktschwärmer, die sozusagen ihre Kinderstube in der Seifenblase erlebten und nun selber flügge geworden sind. Der Laden erwirtschaftet über einige kommerzielle Angebote und Raumvermietungen auch eigene Mittel von rund 3500 bis 5000 Euro pro Jahr, um die jährliche Miete weitgehend selbst bestreiten zu können.

Aber die relativ kleine Personalstelle kann er eben nicht alleine stemmen. „Wenn es nur um einen Formfehler geht, also um die nicht erlaubte Förderung von Personalkosten“, so wundert sich Frank Vulpius, „warum hat man dann von seiten der Stadtverwaltung nicht im Vorfeld ein klärendes Gespräch mit uns und dem Landkreis gesucht? Warum stellt man uns vor vollendete Tatsachen?“

Mehrfach haben Vertreter des Vereins zum Beispiel schon darum gebeten, doch zu ­prüfen, ober der Familienladen „Seifenblase“ nicht auch wie die städische Einrichtung „Kleeblatt“ oder der AWO-Seniorentreff als soziale Einrichtung gefördert werden kann. Sie wollen ja nicht mehr, sie kommen aus, mit dem, was sie haben. Bislang hat die Stadtverwaltung dazu beharrlich geschwiegen. Ist es tatsächlich für eine Stadt wie Wildau, die so gern mit ihrer Lebensqualität wirbt, so schwer, einen korrekten Hauhaltstitel über 6000 Euro für ein bewährtes soziales Projekt zu verbuchen? TM

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