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Tickende Zeitbombe am Dahme-Ufer

Vergibt Wildau die einmalige Chance, ein uraltes Umweltproblem zu lösen?

Die Bilder aus den Hochwasser-Gebieten in Rheinland-Pfalz und in Nordrhein-Westfalen dürften jedem, der auch nur ab und zu die Nachrichten verfolgt, noch vor Augen sein. Dort hatten sich vor wenigen Wochen durch enorme Regenmengen in kürzester Zeit friedliche Flüsse oder gar nur Bäche in reißende Ströme verwandelt, die alles zerstörten, was ihnen im Wege stand.

Schaut man zurück in die letzten Jahre, muss man feststellen, dass sich solche oder ähnliche Wetterphänomene offensichtlich häufen. Besonders gefährdet sind ufernahe Areale an fließenden Gewässern. Dabei haben wassernahe Flächen, in deren Böden Schadstoffe eingelagert sind, ein noch viel höheres Gefahrenpotential – und das nicht nur für die unmittelbare Umgebung, sondern weit darüber hinaus! Genau so ein Gefährdungspotential geht vom kontaminierten Areal am Dahme-Nordufer in Wildau aus!

Denn auf dem ehemaligen HIAG-Gelände sind laut Sanierungsplan des auf die Beseitigung von Altlasten spezialisierten Berliner Unternehmens GKU GmbH vom 25. November 2020 aktenkundig massive Halb- und Schwermetallkontaminationen im Grundwasser und Boden belegt. Sie sind auf Ablagerungen von früheren Produktionsrückständen aus der Herstellung von Schwefelsäure zurückzuführen. Das sind unter anderem Pyritschlacken und Kiesbrand.

An dieser Stelle lohnt sich ein Blick in die Historie des Areals an der Dahme! 1889 gründete Hugo Blank hier eine Essigsäurefabrik mit Holzgeist- und Aceton-­Destillation. 1910 übernahm die in Koblenz ansässige Holzkohlungs-Industrie AG (HIAG) die Fabrik. Bis 1945 wurden hier chemische Substanzen wie Paraformaldehyd, Roh-Aceton und Aceton-Cyan-Hydrin produziert. Alles Stoffe, die zum Teil hochgradig gesundheitsschädlich sind. Also dürften die Ölrückstände, die der Kraftverkehr in DDR-­Zeiten hier hinterließ, wohl das kleinere Übel sein! Ein Zustand, der eigentlich einer endgültigen Lösung bedarf!

Und die bot sich Wildau unerwartet 2014 durch die damals begonnene Zusammenarbeit mit der Bauwert AG. Zuvor hatte sich die WiWO, die Eigentümerin des Grundstücks ist, viele Jahre darum bemüht, einen Investor für das Areal zu finden. Vergeblich, denn alle potentiellen Kandidaten rückten von ihren Plänen ab, nachdem sie die Bodengutachten für das Gelände gelesen hatten.

Nicht so die Bauwert AG, die zuvor bereits viele Erfahrungen mit der Sanierung von kontaminierten Großflächen hatte. So zum Beispiel bei der Sanierung des Holzmarktareals und des Geländes des ehemaligen Freudenbergareals in der Boxhagener Straße in Berlin, um nur einige Projekte zu nennen. Nur vor diesem Erfahrungshintergrund hatte sich das Unternehmen an das Vorhaben am Dahme-­Nordufer gewagt.

Bleibt die Frage, was passieren könnte, wenn es auch bei uns zu einer Starkregenkatastrophe käme, wie gerade in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfahlen? Eine Antwort findet sich auf der Web-Site Dahmeufer.de. Dort heißt es unter „Fragen & Antworten“: „Was könnte passieren, wenn die Altlasten nicht beseitigt werden? Die Alternativen wären aus unserer Sicht: Das Areal bleibt weiterhin altlastenverseucht, kann daher auch künftig nicht betreten werden und – was wir als gefährlich ansehen – bei einer Hochwassersituation würden in nicht vorhersehbaren Umfang hochgradig giftige Altlasten in die Dahme geschwemmt werden.“

Uns stellen sich da zwei Fragen: 1. Vergibt Wildau gerade die einmalige Chance, ein uraltes Umweltproblem zeitnah und dauerhaft zu lösen? Und 2.: Wer trägt dann eigentlich die Verantwortung dafür, wenn durch eine Wetterkatastrophe tatsächlich hochgradig giftige Stoffe in die Dahme geschwemmt werden, obwohl doch die Möglichkeit bestand, diese Gefahr aus der Welt zu schaffen? VE

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