… und (B)ER eröffnet doch

Mit der Baufreigabe für das Hauptterminal 1 ist der neue Schönefelder Flughafen auf der Zielgeraden/ Passagiertests werden der Corona-Epidemie angepasst

Mitten hinein in die coronabedingte Ruhe an Berlins Flughäfen und in eine nie dagewesene Krise des internationalen Luftverkehrs kam der Paukenschlag. Man könnte in Anlehnung an Galileo Galilei, der einst hinsichtlich der Erdbewegung gerufen haben soll „… und sie bewegt sich doch“, fast ein bisschen pathetisch werden und verkünden: Der BER eröffnet doch!

Das Terminal 1 am Flughafen Berlin International „Willy Brandt“ ist fertig gestellt. Auch wenn noch gewerkelt wird und insbesondere die Mieter und Nutzer der Geschäfte und gastronomischen Einrichtungen ihren Innenaustattungen den letzten Schliff geben – die zentrale BER-Abfertigungshalle ist seit letzter Woche ein von der Baubehörde offiziell freigegebenes Gebäude. So kann auch die zuständige Fachdezernentin, Dahme-Spreewalds, Bauordnungsbeigeordnete Heike Zettwitz, ihre Erleicherung nicht verhehlen. „Es freut mich sehr, dass die Großbaustelle Fluggastterminal nach den jahrelangen Bauarbeiten endlich zu einem Abschluss gebracht wird und die bautechnischen Nachweise für eine betriebssichere Nutzung vorliegen“, sagt sie.

Nach monatelanger Prüfung hat die Fachbehörde, die Untere Bauaufsicht des Landkreises Dahme-Spreewald, ihre Stempel auf alle eingereichten Unterlagen zur Baufertigstellung gesetzt. Aus baurechtlicher Sicht steht der Eröffnung des Terminals und damit des BER am 31. Oktober dieses Jahres somit nichts mehr im Wege. „Ich möchte allen danken, die den BER nicht aufgegeben haben und mit hohem persönlichen Engagement und großem Beharrungsvermögen das Fluggastterminal Stück für Stück zu einem sicheren Gebäude gemacht haben“, erinnert der Vorsitzende der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH Prof. Dr. Engelbert Lütke Daldrup im Moment der Genugtuung an die Rückchläge und Zweifel, aber auch an die Mitarbeiter und Partner, die sich nicht beirren ließen. Der heute 63jährige Flughafenchef trat im März 2017 an die Spitze der Betreibergesellschaft. Zwei Monate zuvor war der bereits fünf Mal verschobene und nun für Oktober 2017 avisierte Eröffnugnstermin erneut abgesagt worden. Die neue Geschäftsführung nahm sich Zeit für eine gründliche Fehleranalyse und legte sich schließlich im Dezember 2017 auf den Eröffnungstermin für Okober dieses Jahres fest. Nun sieht es so aus, als könne sie tatsächlich Wort halten.

„Das ist für unser Unternehmen schon ein ganz besonderer Moment“, sagt Flughafensprecher Daniel Tolksdorf im Gespräch mit dem KaWe-Kurier. „Wir haben es schwarz auf weiß: Das Terminal ist keine Baustelle mehr.“ Mit den finalen TÜV-Bescheininigungen, die nach umfassenden wochenlangen Checks aller technischen Anlagen wie zum Beispiel auch der Brandschutzsyteme erteilt wurden, hatte die Flughafengesellschaft die letzte große Hürde genommen. Dies sei ein Ergebnis harter, akribischer Arbeit, die in den letzten drei Jahren zur Beseitigung aller Mängel geleistet wurde.

Inzwischen wird das Terminal unter strengen Sicherheitsvorkehrungen, die die Corona-Epidemie vorschreibt, weiter für den Betriebsstart im Herbst fit gemacht. Zum einen geht es um die endgültige Inneneinrichtung. Zahlreiche Geschäfte und Lokale sind bereits fertig. Die Mieter haben sie schon in Besitz genommen und können sie nach ihren Vorstellungen ausstatten. Bei einem Teil der Einrichtungen läuft auch noch der Ausbau. „Die Halle ist groß, Sicherheitsabstände können gut eingehalten werden, da kommt sich niemand in die Quere“, sagt Daniel Tolksdorf. Zum anderen ist die Flughafengesellschaft in die Vorbereitungen der Betriebsablauftests, des sogenannten ORAT-Programms, eingestiegen. ORAT steht für „Operational Readiness und Airport Transfer“ und hat sich international als Standardverfahren zur teilweisen Erprobung der praktischen Abläufe vor der Inbetriebnahme von neuen Flughäfen etabliert. „Wir haben bereits mit Tests begonnen, die zunächst von unseren eigenen Mitarbeitern bestritten werden“, informiert der Flughafensprecher. Die geplanten Übungen mit den Komparsen sollen im Sommer folgen, wobei der Zeitplan entsprechend der aktuellen Entwicklungen und Vorgaben zur Corona-Lage angepasst wird. „Wir fahren da auf Sicht und werden in Absprache mit den Gesundheitsbehörden agieren“, betont Daniel Tolksdorf. Teilnehmer, die bereits einen Termin haben, würden bei entprechenden Veränderungen informiert. Die bereits verschobene Brandschutz- und Räumungsübung von Terminal 1 und Bahnhof, die Ende April stattfinden sollte, wird ebenfalls im Sommer nachgeholt. Auf alle Fälle, so versichert die FBB, werden alle Passagierabläufe am BER trotz der gegenwärtigen Einschränkungen ausreichend getestet werden können. Für die Eröffnung des neuen Schönefelder Flughafens sind daneben noch die luftfahrtrechtlichen Genehmigungen erforderlich, die von der Gemeinsamen Oberen Luftfahrbehörde Berlin-Brandenburg (LuBB) erteilt werden müssen.

Derzeit geht die Flughafengesellschaft davon aus, dass zur BER-Eröffnung am 31. Oktober mit einem deutlich geringeren Flugverkehr zu rechnen ist als ursprünglich angenommen. Wenn man bereits wieder auf die Hälfte des Fluggastaufkommens der Vor-Corona-Zeit käme, sei das schon ein gutes Zeichen. Weniger Passagiere bedeuteten aber auch, dass die Eröffnung insgesamt einfacher wird, als wenn vom ersten Tage an die Vollast zu bewältigen wäre. Damit sei man am Eröffnungstag auch nicht auf das Terminal 2 angewiesen, so Daniel Tolksdorf. „Die Arbeiten dort liegen im Plan“, sagt er, „aber die Notwendigkeit der Inbetriebnahme ist nicht mehr zwingend an das Datum 31. Oktober gebunden.“ Generell erhofft sich die FBB mit dem BER-Start Ende Oktober, auch ein starkes Zeichen für die gesamte Berlin-Brandenburger Wirtschaft nach dem Shut Down aussenden zu können. Langfristig sind unmittelbar am Schönefelder Flughafen 60000 Arbeitplätze der verschiedensten Firmen und Partner prognostiziert. Und auch die Region kann es nach dem tiefen Einschnitt durch die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus Covid 19 als ein gutes Omen nehmen, wenn im BER-Hauptterminal endlich die Lichter angehen und ganz normales Flughafenleben einzieht.

TM