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Samstag, September 30, 2023
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Viel Vergnügen beim Valentinsabmartern

Der Handel und die Blumenläden freuen sich. Viele Menschen und Menschinen aber sind nur genervt von Tagen wie dem Valentinstag oder Halloween. Tagen, zu dem wir unbe­dingt etwas schenken sollen. Wie eben am Valentinstag am 14. Februar. Der geht auf das Fest des Heiligen Valentinus zurück, eines Märtyrers. Die Kirche brauchte immer solche. Der Gedenktag wurde im Jahre 496 von der Kirche eingeführt, erst 1969 aus dem römischen Generalkalender gestrichen. In einigen Regionen Europas schenken sich Liebespaare „Valentinsschlüssel“ als romantisches Symbol und Einladung zum Aufschließen des „Herzens“ oder was auch immer der oder des Beschenkten. Seit dem 19. Jahrhundert sind handgeschriebene Valentinsgrüße den Grußkarten gewichen. Und heute den WhatsApp-Texten. Und Blumen und Pralinen, und eben dem Geschenkekitsch. Für die Liebenden wird dieser Tage Valentinsparfüm genau wie Toilettenpapier mit Herzchen drauf angeboten. Dank der Amerikaner, die den Valentinstag nach dem Zweiten Weltkrieg nach Westdeutschland brachten – wir im Osten hatten ja nichts – und mussten das dann alles nachmachen. Valentinstag – ein reines Geschäft. Allein zum Valentinstag 2018 transportierte die Lufthansa Cargo ganz ökologisch 800 t Schnittblumen nach Deutschland: in Wasser gestellt, temperiert, überwiegend interkontinental nach Deutschland. Ich finde, der Valentinstag ist der unnötigste Tag. Wenn jemand durch solch einen Tag erst daran erinnert werden muss, an einen Lieben zu denken, ist das schon traurig. Braucht es dazu einen besonderen Tag? Man kann es jeden Tag zeigen. Am schönsten ist ja der Tag danach: Da sind die Valentins-Pralinen auf den halben Preis gesenkt. Aber man kann auch ohne Geschenke seinen Spaß haben. Gehen Sie doch mal an dem Tag in einem Restaurant an einen Tisch mit Verliebten und brüllen dann rum: „Du hast doch gesagt, Du liebst nur mich!“ Oder man geht in ein Geschäft und fragt: Haben Sie Valentinskarten mit dem Spruch „Du bist die Einzige für mich, Schatzi!“? Wenn die Verkäuferin das bejaht, verlangen Sie ganz viele davon. Aber eine Karte reicht. Egal, ob Visa oder Maestro. Am Valentinstag die Holde abnischln, also intensiv küssen, wie meine aus Sachsen stammende Göttergattin sagt. Damit klappt es dann bestimmt auch mit ditschen. Nein, nicht mit der Semmel in den Kaffee ditschen, sondern was man im Sachsenland auch „Bimmel in de Garasche bringen“ nennt. Bimmel? Der Sachse spricht ja ein weiches b für das harte p. Aber vor dem Ditschen bauchgrabbeln nicht vergessen. Womit der Sachse schmeicheln oder Komplimente ablassen meint, bevor der Bauch und mehr dann wirklich begrabbelt wird. Und dann können Sie diejenige oder denjenigen abmartern, wie es bei den Sachsen heißt. Das ist nicht Schlimmes, bedeutetet: mit stürmischer Zuneigung überhäufen. Dann müssen Sie sich nicht martern, was Sie zum Valentinstag schenken. Na, dann einen schönen solchen.

Und überhaupt.

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