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Vom Stummfilm- zum Kult-Kino

Kino Capitol feierte Ende Oktober seinen 90. Geburtstag

Am 21. Oktober – also noch gut 10 Tage vor dem neuerlichen Lockdown – feierte das Kino Capitol seinen 90. Geburtstag. Viele Stammgäste und Fans des inzwischen zum Kult avancierten alten Kinos waren gekommen, um den Kinobetreibern um der Familie Jurk zu gratulieren. Viele brachten ganz persönliche kleine Geschenke wie eine selbstgebackene Torte, Blumen, Süßigkeiten, Kerzen, selbstverfasste Gedichte und ähnliches mit, um den Kinobetreibern das Leben in dieser für Kultureinrichtungen so schweren Zeit etwas zu versüßen. Dafür und für die vielen guten Wünsche wollen sich Anne und Wolfgang Jurk und ihre Mitarbeiter an dieser Stelle ganz herzlich bedanken.

Auf den Tag genau vor 90 Jahren hatte Gustav Schulze das Kino in der KWer Bahnhofstraße eröffnet. Gebaut wurde das Haus noch als Stummfilmkino. Davon zeugt der immer noch vorhandene Orchestergraben, der sich heute allerdings unter der Bühne versteckt. Nachdem ab 1929 aber der Tonfilm seinen rasanten Aufstieg hatte, wurde das Capitol schließlich als erstes Tonfilm-Kino der Region eröffnet. Ab da wurde das Kino durchgehend bis zu seiner vorübergehenden Stilllegung zwischen den Jahren 2000 und 2005 bespielt. In seiner 90-jährigen Geschichte erlebte das Capitol sehr wechselvolle Zeiten. Bis zum Ende des 2. Weltkrieges noch als Privat-­Kino betrieben, wurde das Lichtspielhaus zu DDR-Zeiten zu einem Teil der Volkseigenen Lichtspielbetreibe.

1988 kam der noch junge Facharbeiter für Filmwiedergabetechnik Wolfgang Jurk an das Haus und erlebte hier die letzten Jahre der DDR-Mangelwirtschaft. „Damals haben wir genommen, was wir kriegen konnten“, erinnert sich der heutige Betreiber. „So haben wir beispielsweise immer versucht, die in den DDR-Vorzeige-Kinos oder in Theatern ausrangierten Bestuhlungen zu bekommen, um unsere maroden Sitze auszutauschen“, berichtet er. Das Ergebnis war dann, dass der Saal mit verschiedensten Sitzen ausgestattet war.

Nach der Wende wurden die VE Lichtspielbetriebe von der Treuhand abgewickelt, also privatisiert. Gut die Hälfte der ehemaligen DDR-Kinos überlebte die „Abwicklung“ nicht und musste schließen. Und nachdem 1999 das Cine-Star in Wildau aufmachte und das Capitol weiter auf ein Mainstream- Programm setzte, war es auch mit dem KWer Kino vorbei.

Seit 2005 betreiben Anne und Wolfgang Jurk das Capitol nun in Eigenregie. Und zwar als Programm-Kino mit ausgewählten Filmen, aber auch Kleinkunst- und Musikveranstaltungen. Das sprach sich schnell rum und die Cineasten sowie Kulturliebhaber honorieren das mit regelmäßigen Besuchen. Einige Stammgäste nehmen sogar erhebliche Anfahrtswege in Kauf, um das Capitol zu besuchen. „Einer unserer Stammgäste reist jedes mal aus Rathenow an“, berichtet Wolfgang Jurk.

Eigentlich waren für den November mehrere kulturelle Highlights im Capitol geplant. So zum Beispiel Kabarett mit Tatjana Meissner, das Kinder- und Familien-Filmfest oder eine bebilderte Lesung mit dem Fotografen Andreas Kemper. Auf Grund des erneuten Lockdowns aber müssen die Veranstaltungen entfallen. Wolfgang Jurk versucht trotzdem, verhalten optimistisch zu bleiben. „Wir hoffen, dass wir im Dezember wieder öffnen können.“ VE

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