Vorwärts immer!

Drei Kreuze! 2009 ist vorbei – und damit das Jahr mit den vielen Gedenktagen. Wer kann zum Beispiel heute noch „20“ hören, ohne das allgegenwärtige Gedöhns um den Mauerfall vor 20 Jahren im Hinterkopf zu haben? Oder vielmehr das der mehr oder minder C-Klasse-Prominenten, die überall und ohne Pause glaubten, uns vertickern zu müssen, wo sie gerade einen Pup ließen, als die Mauer löchrig wurde? Und wie sie bei der Revolution mitgekämpft hätten. Ballten eine Faust in der Hosentasche oder trieben ähnlich Staatsstürzendes, was zur Novemberrevolution von vor 20 Jahren führte? Oder war es doch nur eine große Blende? Aber die Botschaft dabei ist wichtiger als die Fakten. Nächstes Jahr haben wir damit zum Glück Ruhe – bis  zum „25.“ und dann vielleicht wieder bis zum 50.Gedenktag. Aber dann gibt’s ja nicht mehr so viele, die sich daran erinnern. Deren Rück-Blicke werden auch schon Lücken haben. Doch wann ist die ganz große Lücke da, wann werden die Letzten aussterben, die noch in der DDR geboren wurden, als der Wind der Veränderungen über die hinwegrauschte? Bei einer laut Prognosen ansteigenden Lebenserwartung der Deutschen auf bald über 90 Jahre wird das um 2080 sein. Sicher aber ist schon jetzt: Die letzten originären DDR-Exemplaren werden kurz vor dem Abgang in die Todeszone zum Erinnern genötigt werden. Von ahnungslosen Dauerpraktikantinnen eines Privatsenders mit Drama-Stimme wird solch hoch betagten Ex-DDR-ler dann eingeflüstert, wie es damals doch war- und wenn nicht, warum doch!? Doch was sollen die DDR-Dinosaurier authentisch absabbern, da sie ja im Herbst 1989 noch in den Windeln lagen? Vielleicht, dass ihnen die eigene Mutter schon hinterher geschnüffelt hat – nämlich, ob sie aus den Windel röchen! Sollen sie sagen; „Alles Scheiße!“? Doch seien wir uns sicher: Auch zum „100.“ werden bewegende Anekdoten über die damals auferstanden aus Ruinen und dem Westen Zugewandten erzählt. Nach 2080 aber werden die bis dato gängigen Themen DDR, Mauer, ihr Fall und deutsch-deutsche Kopulation, Stasi-Sümpfe in Brandenburg, Rot-Rote Koalitionen in den Archiven verschwinden. Oder wird es dann noch immer ein Medienthema sein, dass sich die Westdeutschen durch die Ostdeutschen mit den Urenkeln von Gysi & Co. ossifiziert sehen? Nur die Frage „Opfor oder Dädor“, die uns gerade in Brandenburg in letzter Zeit stark beschäftigt, wird dank der Gnade später Geburt erledigt sein. Sind wir dann Deutschland einig Ami-Land? Haben wir uns gereicht, Brüder, in eins nun die Hände? Sind die neuen Bundesländer dann keine von der Bundesmutter gesäugten nimmersatten „Babys“ mehr? Oder sind sie ewig nicht nur lagemäßig, sondern auch denkmäßig „der Osten“? Der braucht ja  ansonsten noch fünfzig Jahre, um den Westen zu überholen – oder einzuholen, spätestens ab dann sind alle schuld an der Lage der Nation. Nicht mehr nur die Neufünfländler mit dem Milliardengrab Ost.
In diesem Sinne: Vorwärts immer, rückwärts nimmer, wie schon GröFaZ Erich, der Dachdecker mal quäkte. GröFaZ- größter Führer aller Zeiten? Klar, schließlich hat er 2 Millionen vertrieben und 17 Millionen eingesperrt. Damals, bis vor 20 Jahren. Also: Vorwärts ins Jahr 2010, dem ersten von noch 70 Jahren mit DDR-Vergangenheit! Aber Schluss mit den Jubelarien! Weniger picheln und jammern – mehr sicheln und hammern!
In diesem Sinne: Ein gutes neues Jahr. Und überhaupt.

Mark Brandenburger

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