Was bleibt, ist nur die Hoffnung

Der Zernsdorfer Künstler Eric Fish sprach mit KaWe-Kurier-Herausgeber Vesa Elbe über die Herausforderungen der aktuellen Zeit. Foto: G. Irmscher

Eric Fish über die Auswirkungen der Corona-Krise für Bühnenkünstler

Die Corona-Krise hat Deutschland derzeit fest im Griff. Hunderte Firmen haben ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt, viele Kleinunternehmer bangen um ihre Existenz. Aber wie geht es eigentlich den Künstlern, speziell den Bühnenkünstlern wie Schauspielern und Musikern.

Zu diesem Thema trafen wir uns mit dem Subway-to-Sally-Frontmann und Singer-Songwriter Eric Fish zu einem ausführlichen Gespräch. „Das schlimmste in der jetzigen Zeit ist diese Macht- und Hilfslosigkeit“, sagt Eric Fish gleich am Anfang unseres Treffens. „Ich habe heute früh in meinem Kalender so viele geile Termine ausradiert. Allein 20 Festival-Konzerte weltweit – alle abgesagt!“

Auf seinen Alltag in der Corona-Zeit angesprochen, gibt der Musiker offen zu: „Ich habe auch depressive Phasen, da es keine Aussicht auf Konzerte gibt. Aber zum Glück habe ich schon vor Corona an der Arbeit meines neuen Solo-Albums begonnen. So habe ich wenigstens eine kreative Aufgabe und mit den heutigen digitalen Möglichkeiten sind die Aufnahmen auch machbar. Ich bin froh, dass ich etwas zu tun habe“. Das neue Album wird „Gezeiten“ heißen und das erste Solo-Album von Eric Fish seit fünf Jahren sein. Die Veröffentlichung ist für den 21. August geplant. „Und diesen Termin werden wir auch halten“, ist der Sänger überzeugt.

Vor der Corona-Krise war er mit seiner Band „Eric Fish & Friends“ gerade auf Club-Tour. Die aber endete abrupt am 28. Februar mit einem Konzert in Torgau. „Seit dem sind bereits etwa 20 Konzerte ausgefallen. Ich muss schon jetzt massiv von meinen Ersparnissen leben. Landeshilfen habe ich bisher auch nicht bekommen. Ich verstehe nicht, dass ausgerechnet Künstlern diese Hilfe verweigert wird“, äußert Eric Fish sein Unverständnis, „Dabei muss ich für das neue Album ja auch Leute bezahlen.“

„Das ist schon eine fatale Situation. Aber ich will nicht jammern. Andere wissen gar nicht mehr weiter. Dabei denke ich insbesondere an Gastronomen und kleine Club-Betreiber. Gerade die kleinen Clubs trifft es am schlimmsten. Die Leben von der Präsentation von Live-Musik und denen ist gerade alles weggebrochen. Wie lange halten die das noch durch?“, fragt sich der Musiker.

„Wir müssen jetzt das Beste aus dem Schlechten machen“, schlussfolgert er. „Das Gute ist, dass man jetzt Zeit hat, kreativ zu werden.“ So ist zum Beispiel ein Online-Projekt über seinen Heimatort Zernsdorf in Arbeit, das er gerade gemeinsam mit Björn-Constantin Klenke umsetzt. Der Arbeitstitel lautet „Schwarze Geschichten aus dem schwarzen Dorf“ und bezieht sich auf die ursprüngliche slawische Wortbedeutung von Zernsdorf als „schwarzes Dorf“.

Dabei ist ihm durchaus bewusst, dass dieses Projekt nicht die für den Sommer geplanten Veranstaltungen in Zernsdorf ersetzen kann. „Wir wollten einen Kultursommer organisieren, bei dem alle drei bis vier Wochen Kunst in jeglicher Form im Bürgerhaus des Ortes präsentiert wird. Dafür hatten wir schon Vorarbeiten geleistet und mit vielen Künstlern gesprochen. Das ist jetzt alles obsolet“, sagt Eric Fish enttäuscht. Und auch das seit mehreren Jahren stattfindende „Summers End“ wird nicht stattfinden.

„Mir fehlt auch der Glaube, dass im Herbst wieder etwas möglich sein wird. Oder auch im nächsten Frühjahr. Da kommen dann ja noch mehr Menschen zusammen“, so der Musiker weiter. „Und die Verlegung der Veranstaltungen ins nächste Jahr ist doch auch nur eine Milchmädchenrechnung. Dann finden ja schon andere Events statt.“

„Das Festival Summer Breeze soll übrigens als eine Art Autokino stattfinden. Dann werden 500 Autos auf das Festivalgelände gelassen“, berichtet er, „Aber Live-Künstler leben von der Resonanz des Publikums, vom Applaus. Wie soll der dabei stattfinden? Das ist doch krass!“

Ein kleines Konzert von „Eric Fish & Friends“ findet aber statt. Auf der Internet-Plattform der Magazine „Rolling Stone“, „Metal Hammer“ und „Musik Express“ wird die Band innerhalb des Formats „live@home“ vier Stücke präsentieren. Darunter auch das Stück „Hoffnung“, wie es wohl besser nicht in diese Zeit passen würde. „Das ist schon eine skurrile Sache, die Bandmitglieder auf Abstand und kein Feedback vom Publikum“, bemerkt der Künstler.

Und zum Ende des Gesprächs sagt Eric Fish noch folgenden Satz: „Hoffnung ist das Einzige, was uns jetzt den Weg weißt. Aber man braucht Kraft, um die Hoffnung aufrecht zu erhalten.“

VE