Wie blöde muss man sein?

Man begreift es mit normalem Verstand nicht. Wie blöde muss man denn in der Birne sein? Letzte Woche waren sogenannte Klima­aktivisten auf das Gelände des Kohlekraftwerks Jänschwalde in der Lausitz eingedrungen und hatten Schienen, Gleisanlagen und Förderbänder besetzt, hatten sich festgekettet oder festgeklebt. Zwei der aktiven vier Kraftwerksblöcke mussten komplett vom Netz genommen werden. Die Versorgungssicherheit war gefährdet. Die Betreiber mussten zum Teil auch Öl verfeuern, um das Kraftwerk am Leben zu erhalten. Der Betreiber nennt es die größte Sauerei, weil wegen so einer Aktion Ressourcen verschwendet werden mussten. Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen (CDU) verurteilte die Aktion als „Sabotageakt“. Die Attacken in verschiedenen Formen nehmen weiter zu. Unter dem Deckmantel des Protests gegen die Klimapolitik haben sogenannte Aktivisten jetzt auch versucht, Ölleitungen der Raffinerie in Schwedt zu manipulieren und den Straßenverkehr – in letzter Zeit vor allem in Berlin – mit Klebeaktionen zu blockieren. Stübgen forderte “empfindliche Strafen” für die Täter. „Wer Ölleitungen sabotiert, provoziert Umweltkatastrophen, wer sich auf Autobahnen klebt, riskiert schwere Verkehrsunfälle und wer Kraftwerke lahmlegt, spielt mit der Strom- und Wärmeversorgung von Krankenhäusern, Schulen und tausenden Haushalten.” Wer für seine Weltanschauung absichtlich andere in Gefahr bringe, sei kein Aktivist, sondern ein Verbrecher, so Stübgen. „Sabotageakte sind weder lösungsorientiert noch eine demokratische Form der Meinungsäußerung.“

Die sogenannten Aktivisten stoppen Tagebaue und Kraftwerke. Das ist sehr gut fürs Klima. Aber wie weiter? Wir können nicht einfach den Stecker in die Dose stecken oder den Strom einschalten. Womit heizen wir im Winter, wenn keine Kohle mehr kommt? Mit dem Papier aus den Sonntagsreden der Grünen? Mit Strom aus bald abgeschalteten Atomkraftwerken? Mit teurem Gas? Mit Holz aus dem Wald? Oder mit Wind aus den Windkrafträdern, die keine Speicher haben? Mit Wassermühlen an unseren Brandenburger Flüssen, die ja nun zum Glück wieder Wasser führen? Gewinnen wir Strom, in dem wir ihn herbeireden? Wie kompensieren wir Stromlücken? Indem wir im Winter Kerzen aufstellen? Die infolge der Angebotsverknappung weiter explodierenden Preise, wer zahlt die? Die Aktivisten? Oder interessiert es sie deshalb nicht, weil sie für ihre Aktionen in der warmen Zelle einsitzen?

Keine Frage: Das Engagement der Aktivisten für den Klimaschutz ist notwendig, löst aber allein keine Probleme. Sich öffentlichkeitswirksam anzuketten, ohne über die Aktion hinauszudenken, ist blanker Populismus. Und gefährlich. Der Zweck heiligt nicht die Mittel. Das gilt auch beim Klima. Und überhaupt.