Wie Plebs in der Sonne

Was unterscheidet das Wetter dieses Sommers von Brandenburgs Bildungslandschaft? Nichts. Bei beiden herrscht schreckliche Dürre. Beim Wetter sehen wir es, bei der Bildung offenbart es der neueste bundesweite Monitor. Brandenburg ist dabei auf einem der hinteren Plätze gelandet. Das Land kam bei aller Kritik an den Kriterien im Vergleich der Bildungssysteme der Bundesländer des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) wie im Vorjahr auf den 14. Rang. Die leistungsfähigsten Bildungssysteme haben Sachsen, Thüringen und Bayern, gefolgt von Baden-Württemberg, Hamburg und dem Saarland. Die Auswirkungen der Brandenburger Misere spüren vor allem die Unternehmen, die händeringend nach geeigneten Azubis suchen. Oder Bewerber für offene Stellen. Denen fehlt es oft an fast allem. Mathe­matische Kenntnisse, Rechtschreibung, Allgemeinwissen – Fehlanzeige. Das ist nur zum Teil den Jugendlichen anzulasten. Der Wurm sitzt im Gebälk der rot-roten Brandenburger Schulpolitik selbst. Sie ist eine einzige Flickschusterei. Eine marode Schulsubstanz, fehlende Lehrkräfte, Lehrer, die nicht auf Lehramt studiert haben, Seiten- und Quereinsteiger unterrichten sowie Lehrkräfte ohne volle Lehrbefähigung, also Bewerber, die kein Schulfach studiert haben. All das ist in den vergangenen Jahren sträflich vernachlässigt worden. Immer wieder neue und nicht unbedingt dafür fähige Bildungs­ministerInnen haben hier rumgedoktert und die Bildung zum Patienten gemacht, der am Tropf hängt. Waren sie nicht mehr tragbar, bekamen sie einen anderen Posten wie die jetzige Kultusministerin. Oder Bildungsminister wie die Jetzige, aus Hamburg gekommene Frau unseres Finanz­ministers, die sich mit absurden Ideen wie notenlose Zeugnisse hervorgetan hat. Oder der Schwachsinn vom Schreibenlernen nach Gehör( „die Mudda, der Fata, die Fögel“), eines mal wieder neuen Rahmenlehrplanes, nach dem sich die Schüler verstärkt im Selbststudium den Naturwissenschaften nähern sollen. Diese sollen in den Klassen 5 und 6 als Sammelfach unterrichtet werden. Fachunterricht in Biologie und Physik soll es nicht mehr geben. Die Schüler bekommen eine Universalbildungs-Besohlung. Ein Lehrer wie früher an der Einklassen-Dorf­schule soll dafür reichen. So löst man zwar das Problem des Lehrermangels nach Auffassung der Landesregierung. Aber eigentlich löst man überhaupt nichts. Und schon gar nicht das der Bildungsdürre in Brandenburg. Das Bildungsministerium kommentiert die Studie so: „Für das Bildungssystem im Land Brandenburg hat die Studie nur sehr geringen Wert.“ Aha. Brandenburgische bildungs­politische Arroganz par Exzellenz. Mit einem folgerichtigen Platz in der deutschen Bildungslandschaft ganz hinten.

Wie das Wetter in den nächsten Jahren wird, ist nicht absehbar. Dass aber trotz vollmundiger Versprechen aus Potsdam das Bildungswesen besser wird, ist auch nicht absehbar. Und die Schüler stehen da wie Plebs in der Sonne und weiterhin hinten. Und überhaupt.

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