Zum Wiehern

Jetzt im Frühling hört man plötzlich Geräusche, die in den letzten Wochen in Vergessenheit geraten schienen: den Gesang der Vögel, das Schnattern der Enten auf dem See. Und mir kam noch ein anderer Laut unter. Ich kannte ihn irgendwie, hatte ihn aber ein wenig vergessen. Womit war er in Verbindung zu bringen? Ich sollte drauf kommen.
Vor etwa zwei Wochen entfernte die Stadt KW in ihrem Ortsteil Zeesen das morsche Holz von den Bäumen rings um die Dorfaue und schichtete die Äste zu Haufen auf. Einige Tage lagen die so da, dann zerrten die auf den Bus wartenden Schulkinder sie auseinander und fochten mit den Stöcken Schlachten aus. Anwohner sammelten das umliegende Holz wieder ein. Am nächsten Tag begannen die Schul-Ritterspiele von neuem. Aber es nahte ja der Ostersamstag und das Osterfeuer am See. Dabei wird durch die Feuerwehr immer das ganze alte Holz aus Gärten und Parks verbrannt.
Es brannte ein riesiges Feuer – nur die Holzhaufen rund um die Dorfaue liegen nach wie vor da. Die Zeesener Feuerwehr sagt, sie hätte das Zeug mitnehmen und mit verbrennen wollen. Durfte sie aber nicht, das das Holz der Stadt KW gehört. Die will es irgendwann abfahren und entsorgen, was natürlich kostet.
Und da war es wieder, das Geräusch: Ganz laut und lang. Ein Wiehern! Der Amtsschimmel wieherte. Und wie!
Er ist wieder da. Gut genährt über den Winter gekommen. Zum Wiehern! Und überhaupt.

Mark Brandenburger

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